Interview mit dem Leiter der Delegation der Zentralafrikanischen Republik

Interview mit dem Leiter der Delegation der Zentralafrikanischen Republik

Jean-François Sangsue ist seit drei Jahren Leiter der IKRK-Delegation in Bangui, Zentralafrikanische Republik. Im folgenden Interview spricht er über die aktuelle Situation im Land, die Bedeutung der Aktivitäten des IKRK und seine Hoffnungen für die Zukunft.

Wie würden Sie jemandem danken, der oder die für die Arbeit des IKRK in der Zentralafrikanischen Republik gespendet hat?

Zunächst würde ich sagen: Es ist beruhigend und auch ermutigend zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt, die einer der weltweit am stärksten benachteiligten und weitgehend vergessenen Bevölkerungen helfen wollen. Allerdings hatte ich noch nie mit einer derart armen Bevölkerung zu tun – arm sowohl in materieller Hinsicht als auch im Hinblick auf ihre Zukunftsperspektiven.

Das ist umso trauriger und erschreckender, als dieses Binnenland im Zentrum des afrikanischen Kontinents über ein enormes Potenzial verfügt: riesige und sehr fruchtbare landwirtschaftliche Nutzflächen sowie zahlreiche Bodenschätze. Die Bevölkerung zählt nahezu 5 Millionen mehrheitlich junge Menschen, die eine ebenso wichtige Ressource darstellen wie die Bodenschätze des Landes.

Zur Veranschaulichung nur ein Beispiel – im Land gibt es lediglich 19 Chirurgen, darunter nur zwei Traumatologen. Mit anderen Worten: Die Herausforderungen sind gewaltig. Die Bevölkerung kämpft weiterhin um das nackte Überleben. Die meisten Menschen sind ausschliesslich damit beschäftigt, Holz und Wasser zu holen, um die wenigen Nahrungsmittel zuzubereiten, die sie beschaffen konnten.

Diesem Elend, das durch die Kämpfe noch verschärft wird, stehen Menschen wie Sie glücklicherweise nicht gleichgültig gegenüber. Angesichts der Situation in der Zentralafrikanischen Republik müssen wir unsere Bemühungen vereinen und die Mittel beschaffen, die das IKRK in die Lage versetzen, seine verschiedenen Programme durchzuführen. Diese Programme sollen den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Wasser erleichtern, die Hygiene verbessern, lebenswichtige Güter verteilen, Familienkontakte wiederherstellen und Besuche bei Inhaftierten ermöglichen.

Als Leiter der IKRK-Delegation möchte ich Ihnen sehr herzlich für Ihr Engagement zugunsten der zentralafrikanischen Bevölkerung danken. Auch wenn Sie die Menschen dort nicht persönlich kennen, helfen Sie ihnen mit Ihrer Spende, die Hoffnung zu bewahren. Diese Menschen, die tagtäglich mit höchst widrigen Umständen kämpfen müssen, haben mich viel über das Leben gelehrt. Lassen Sie uns versuchen, ihnen das Leben leichter zu machen. Gemeinsam werden wir das schaffen!

Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft in dieser Region?

Hunderttausende Familien in den zentralafrikanischen Ländern (Angola, Kamerun, Gabun, Äquatorialguinea, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, São Tomé und Príncipe sowie Tschad) leben unter äusserst prekären Bedingungen und sind auf umfangreiche humanitäre Hilfe angewiesen.

Binnenvertriebene, Flüchtlinge in den Nachbarländern und ein Grossteil der sesshaften Bevölkerung leben heute von der Hand in den Mund und konzentrieren ihre ganze Energie auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse (Zugang zu Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung).
Es besteht die Gefahr, dass der bereits heute weitgehend unzureichende Zugang zu lebenswichtigen Gütern noch weiter eingeschränkt wird, wenn Nothilfeaktionen nicht mehr finanzierbar sind.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist nach wie vor ein wichtiger Akteur der Nothilfe in dieser Region Afrikas. Die Hilfe erfolgt durch pluridisziplinäre Programme, die von der Bereitstellung von Nahrungsmitteln bis zur Wiederbelebung der Landwirtschaft, von der Versorgung abgelegener Gebiete mit Wasser bis zur Instandsetzung städtischer Wasserinfrastruktur, von dringenden chirurgischen Eingriffen bis zur Malariabekämpfung, von der Begleitung Inhaftierter bis zur Förderung des humanitären Völkerrechts für alle Waffenträger reichen.

Ich hoffe dreierlei für die Bevölkerung in der Region: Dass die Hilfsorganisationen ihre Aktivitäten in den instabilen Teilen dieser Länder weiterführen können; dass die Akteure im Bereich Wiederaufbau und Entwicklung umgehend ihre Programme in jenen Regionen verstärken, in denen der Staat zwar präsent, aber immer noch schwach ist; und schliesslich dass diese Länder bzw. ihre Schlüsselministerien (Gesundheit, Bildung, Justiz, Verteidigung und innere Sicherheit) finanzielle Mittel erhalten, die den zahlreichen Herausforderungen entsprechen, mit denen sie konfrontiert sind.

Die Erfahrung des IKRK zeigt, dass humanitäre Hilfe – die einst als Reaktion auf Notfälle konzipiert wurde – heute einen wesentlichen Beitrag zur Wiederherstellung von Stabilität leistet, die wiederum zu mehr Resilienz führen kann.
Ihre Spende für die humanitären Aktivitäten des IKRK ist ein wesentlicher Baustein für das Gebäude, das wir alle gemeinsam aufbauen müssen. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken!

63,000
Menschen erhielten jeden Tag Zugang zu Wasser
27,000
Vertriebene erhielten Nahrungsmittel
250
Operationen und 1500 ärztliche Beratungen konnten im Krankenhaus von Bangui durchgeführt werden

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