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Jemen: Immer heftigere Kämpfe setzen Gesundheitssystem zunehmend unter Druck

An ICRC surgical doctor working with Marib General Hospital medical staff. 23 September 2026
Saiaf Mohammed / IKRK

Während sich die Kampfhandlungen in Teilen des Jemens zuspitzen, bekunden die Spitäler Mühe, die steigende Zahl der Verletzten aufzunehmen. Gleichzeitig sieht sich ein bereits stark geschwächtes Gesundheitssystem mit einer bedenklichen Knappheit an medizinischen Gütern, Personal und spezialisierter Pflege konfrontiert. 

An sämtlichen Fronten ist die Zahl der durch Waffen verletzten Menschen enorm angestiegen; Ma’rib, Taiz und die Küste des Roten Meeres verzeichnen die höchsten Opferzahlen. Die Spitäler und Gesundheitseinrichtungen sind überfordert. Einige Einrichtungen an der Frontlinie registrierten innerhalb einer einzigen Woche über 700 Einweisungen. Massenanfälle werden immer häufiger.

„Das Personal steht unter enormem Druck. Nur wenige der funktionierenden Gesundheitseinrichtungen im Jemen verfügen über die Kapazität, eine umfassende Verletzungsbehandlung bereitzustellen. Gleichzeitig müssen die Spitäler an der Front einen massiven Zustrom bewältigen und werden nur begrenzt mit chirurgischem Material, Narkosemitteln, Sauerstoff und Medikamenten versorgt. Das Gesundheitspersonal muss diese Notfälle behandeln und gleichzeitig eine Grundversorgung für Mütter, Kinder, Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen gewährleisten“, so Feras Abusamra, IKRK-Gesundheitskoordinator. 

Mehr als zehn Jahre, die von Konflikt, wirtschaftlicher Not, Vertreibung und Krankheitsausbrüchen geprägt waren, haben die Gesundheitsdienste im Jemen geschwächt, weshalb die Kapazitäten für die Bewältigung eines erneuten Anstiegs der Bedürfnisse begrenzt sind.

The ICRC donates medical supplies to the Ministry of Public Health and Population at Al-Gamhuria Medical Supply Department, Aden. 13 October 2026
Fares Muthanna / IKRK
Fares Muthanna / IKRK

Eine IKRK-Spende an das Ministerium für öffentliche Gesundheit und Bevölkerung wird in der Abteilung für medizinische Güter des Spitals Al-Gamhuria in Aden entgegengenommen. 13. Oktober 2026

A maternal unit at Al-Shugiarah Primary Health Care Center newly constructed with support from ICRC in Ad Durayhimi District, Hodeidah, equipped with essential supplies and solar energy to improve maternal healthcare. 6 May 2026
Fares Sherian / IKRK
Fares Sherian / IKRK

Eine mit Unterstützung des IKRK neu eingerichtete Abteilung in der primären Gesundheitseinrichtung von Al-Shugiarah im Distrikt Ad Durayhimi, Al-Hudaida, wurde mit wichtigen Gütern und Solarpanels ausgestattet. Sie soll dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung von Müttern zu verbessern. 6. Mai 2026

Unterstützung der Spitäler mit besonders grossen Bedürfnissen

Das IKRK unterstützt die Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land auf allen Seiten der Frontlinien und reagiert auf die dringendsten Bedürfnisse. 

  • Medizinische Güter: Seit Beginn der Eskalation hat das IKRK Flugzeuge und Lastwagen gechartert und mehr als 500 Tonnen lebensrettende medizinische Güter nach Sanaa und Aden geliefert, um die schwindenden Vorräte aufzufüllen und die Spitäler bei der Behandlung der immer zahlreicher werdenden Kriegsverletzten zu unterstützen. Die Güter werden an Spitäler und Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land verteilt. 
     
  • Unterstützung für Nothilfeeinrichtungen an der Front: Aktuell unterstützt das IKRK mehr als 40 Gesundheitseinrichtungen. In Aden, Taiz, Ad-Dāliʿ und Lahidsch werden grosse Spitäler, acht öffentliche Gesundheitszentren und über 20 Verwundetensammelstellen unterstützt. Ebenfalls im Einsatz stehen Ambulanzfahrzeuge der Jemenitischen Rothalbmondgesellschaft. Die jüngst vom IKRK geleistete Hilfe umfasst die Bereitstellung von Gütern für die Behandlung von Waffenverletzungen sowie die technische Unterstützung des Gesundheitspersonals, unter anderem für drei Spitäler in Ma’rib, das Spital Sabid in Al-Hudaida, das Spital Al-Hazm in Al-Dschauf, das Spital Aboud und das Spital Al-Jumhuriya in Aden. In Taiz unterstützt das IKRK über zehn Gesundheitseinrichtungen in verschiedenen betroffenen Distrikten auf beiden Seiten der Front. Dieses Netzwerk ermöglicht es dem IKRK, dort Hilfe bereitzustellen, wo Opfer von Waffengewalt stabilisiert und anschliessend überwiesen werden müssen. 
     
  • Chirurgische Notversorgung: Seit dem 23. August verstärkt ein mobiles chirurgisches Team des IKRK gemeinsam mit jemenitischem Personal die Kapazitäten im allgemeinen Spital von Ma’rib. Ein weiteres Team unterstützt das Personal des Spitals Al-Talh in Saada. 
     
  • Traumamanagement: Schulungen in Konfliktgebieten umfassen Traumamanagement, grundlegende Notfallversorgung, den Umgang mit Massenanfällen und Notfallchirurgie. Sie bilden die Fortsetzung einer Arbeit, die viele Jahre vor dieser Eskalation begonnenen hat. 
     
  • Physische Rehabilitation: Prothetik- und Rehabilitationsdienste unterstützen Menschen, die Körperglieder verloren haben. Dazu gehören auch Hilfsaktivitäten in Gebieten, die vom Konflikt betroffen sind. 
     
  • Ambulanz- und Überweisungsdienste: Der Transport verwundeter Menschen von der Front in ein Spital kann ebenso kritisch sein wie die Behandlung bei ihrer Ankunft. Gemeinsam mit der Jemenitischen Rothalbmondgesellschaft unterstützt das IKRK Notfall-Ambulanzdienste im ganzen Land. Dank der Unterstützung des IKRK stehen mehr als 60 Ambulanzfahrzeuge im Einsatz und helfen, Verwundete und Kranke aus Konfliktgebieten in Referenzspitäler zu bringen und Verstorbene mit Würde zu transportieren. 
An ICRC Physical rehabilitation programmes specialist assisting a beneficiary with a prosthesis at Sana'a Physical Rehabilitation Center.
Wagdi Almaqtari / IKRK
Wagdi Almaqtari / IKRK

Ein Spezialist, der für das physische Rehabilitationsprogramm des IKRK arbeitet, hilft einem Patienten im physischen Rehabilitationszentrum in Sanaa bei der Anpassung seiner Prothese. 1. März 2025

Ein Gesundheitssystem am Limit

Durch zahlreiche Vertreibungen steigt der Druck auf Gemeinschaften mit beschränktem Zugang zu Gesundheitsversorgung. Zur Flucht gezwungene Menschen haben häufig kaum Zugang zu Medikamenten, Impfstoffen, Versorgung für Mütter, reproduktive Gesundheitsdienstleistungen und Behandlungen gegen chronische Erkrankungen.

„Zusätzlicher Druck auf Spitäler bedeutet einen Rückgang der Bettenzahl, der medizinischen Güter und der Kapazitäten für die Behandlung von Menschen mit Gesundheitsproblemen, die nichts mit dem Konflikt zu tun haben“, so Eduardo Toro, ein IKRK-Chirurg im allgemeinen Spital von Ma’rib. 

Das IKRK kümmert sich weiterhin um medizinische Notfälle und chronisch Erkrankte, indem es medizinische Güter bereitstellt, Behandlungszentren unterstützt und im Bereich der Erhebung und der Behandlung von Krankheiten mit den Behörden und Partnern zusammenarbeitet. Allerdings könnte das Ausmass der Ereignisse die vorhandenen Kapazitäten rasch übersteigen. Ein dauerhafter humanitärer Zugang, Ressourcen und Unterstützung sind nötig, um grundlegende Dienstleistungen zu gewährleisten und die vom Konflikt betroffenen Menschen zu erreichen. Humanitärem und medizinischem Personal muss sichere Durchfahrt gewährt werden, damit Menschen in Not erreicht werden können und Ambulanzfahrzeuge müssen ungehindert durchgelassen werden.

„Wir befürchten, dass die Kapazitäten des Systems nicht ausreichen, um einen starken Anstieg der Fallzahlen zu bewältigen. Mit unserer Nothilfe möchten wir Spitäler an der Front unterstützten, damit sie ihre lebensrettende Versorgung auf unparteiische Weise allen durch Waffen verletzten Menschen zukommen lassen können“, so Christine Cipolla, IKRK-Delegationsleiterin im Jemen.

Über das IKRK

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) setzt sich seit 1863 dafür ein, in Kriegen und bewaffneten Konflikten das Leid zu lindern und die menschliche Würde zu wahren. Gemeinsam mit unseren Rotkreuz- und Rothalbmondpartnern stellen wir über die Frontlinien hinweg lebensrettende Hilfe bereit und bemühen uns, Familien wieder zu vereinen und Vermisste ausfindig zu machen.

Im Kontakt mit Behörden und bewaffneten Streitkräften auf allen Seiten, oft vertraulich, setzen wir uns für die menschenwürdige Behandlung von Gefangenen ein und fordern zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf, um Zivilpersonen vor Gefahren zu schützen, auch online.

 

Weitere Informationen:


Iscander Saeed, IKRK Sanaa: +967 730500719, ialmamari@icrc.org

Hachem Osseiran, IKRK Dubai, +971 50 425 4091, hosseiran@icrc.org