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Gaza: Tausende Familien leiden unter der unsicheren Lage, während Angehörige weiter vermisst werden

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Die Menschen in Gaza müssen nicht nur mit den unmittelbaren und sichtbaren Folgen der Kämpfe leben, darunter der Tod nahestehender Menschen, Verletzungen oder der Verlust der Heimat. Sie leiden auch im Verborgenen, denn viele leben in der Unsicherheit darüber, was mit ihren Angehörigen passiert ist.

In Gaza warten Tausende von Familien auf Nachrichten über vermisste Angehörige – manche von ihnen seit fast drei Jahren. Sie wissen nicht, ob ihre Liebsten überhaupt noch am Leben sind, vielleicht festgenommen wurden oder unter den Trümmern begraben liegen. Diese Familien leiden Tag für Tag unter der Unsicherheit.

Gemäss dem humanitären Völkerrecht ist jede Partei eines bewaffneten Konflikts verpflichtet, alle erdenklichen Massnahmen zu ergreifen, um das Schicksal von Menschen zu klären, die infolge eines bewaffneten Konflikts als vermisst gemeldet wurden, und den Familienangehörigen alle Informationen über ihr Schicksal zur Verfügung zu stellen.

In diesem Artikel teilen wir einige der Geschichten, die uns Familien vermisster Menschen in Gaza erzählt haben. Sie berichten von ihrem Leid, ihrem Schmerz und ihrer Unsicherheit sowie der Angst, ihre Angehörigen nie wiederzusehen.

Fatima Al Najjar ist die Schwester des 23-jährigen Mohammed, der seit Dezember 2023 vermisst wird. Sie trägt überall und immer das Foto ihres Bruders bei sich und fragt die Menschen, ob sie ihn gesehen haben. Fatima sagt: „Mohammed war unsere einzige Unterstützung. Ich will nur wissen, was mit ihm passiert ist. Ich möchte meiner Familie versichern, dass es ihm gut geht.“

 

AlNajjar
Der 23-jährige Mohammed Al Najjar wird seit Dezember 2023 vermisst. Seine Familie sucht weiterhin nach Antworten über sein Schicksal, wie seine Schwester Fatima Al Najjar erklärt. Foto: Amani Al Naouq/ IKRK

Auch wenn sich die Geschichten der Familien vermisster Personen unterscheiden, müssen sie alle mit derselben Unsicherheit leben: Was ist mit ihren Angehörigen passiert? 

Die 28-jährige Anwältin Israa Al Khaldi verschwand 2024 auf ihrem Weg von Rafah nach Gaza-Stadt. Ihr Vater, der 60-jährige Majed Al Khaldi, sagt: „Sie wollte nach Gaza-Stadt, um ihre Brüder zu sehen, aber sie kam nicht zurück. Wir haben dieses Jahr ihren Geburtstag gefeiert und ein Video von ihr erstellt, um uns an sie zu erinnern.“

Israa Al Khaldi
Die 28-jährige Israa Al Khaldi gilt als vermisst. Ihr Vater hat ein Foto von ihr auf seinem Handy in der Hoffnung, eines Tages Antworten über ihr Schicksal zu bekommen. Foto: Ahmed Al Waheidi/IKRK

Für die 60-jährige Itidal Al Firri hört der Schmerz nie auf. Jeden Tag sitzt sie an ihrer Tür und hofft, dass ihre vermisste Tochter Wala, 24 Jahre, eines Tages wiederkommt. Itidal sagt: „Ich will nur wissen, wo sie ist und was mit ihr passiert ist.“

Itidal Al Firri
Die 60-jährige Itidal Al Firri zeigt ein Foto ihrer vermissten Tochter Wala, 24 Jahre. Foto: Ahmed Al Waheidi/IKRK

Familien, die zwar wissen, dass ihre Angehörigen verstorben sind, aber keine Informationen über den Verbleib der sterblichen Überreste haben, sind mit noch anderen Herausforderungen konfrontiert. Die Suche nach sterblichen Überresten sowie die Bergung und Identifizierung kann Jahre dauern, in denen die Familien auf Antworten warten.

In Gaza unterstützt das IKRK die Suche nach Verstorbenen und deren Rückführung. Diese Einsätze sind komplex und erfordern spezifische Ausrüstung, die in Gaza nicht ohne weiteres verfügbar ist. Zudem muss die Arbeit zwischen mehreren Akteuren koordiniert werden. Das IKRK unterstützt auch die forensischen Behörden bei der Verbesserung eines angemessenen Umgangs mit den sterblichen Überresten sowie bei der Dokumentation und Rückverfolgbarkeit. Ausserdem wird Unterstützung bei der Verbesserung der Verwaltung und Infrastruktur von Friedhöfen geleistet. Die forensischen Kapazitäten in Gaza sind jedoch weiterhin stark begrenzt, und es gibt derzeit keine genetischen Testeinrichtungen.

Das Leid der Familien vermisster Personen gehört zu den dauerhaftesten Folgen bewaffneter Konflikte. Das Warten auf Antworten ist eine unsichtbare Wunde, die nicht heilen kann, bis das Schicksal eines geliebten Menschen geklärt ist. Familien müssen vielleicht Jahre warten, bis sie Gewissheit erhalten, und manche werden vielleicht nie erfahren, was mit ihren Angehörigen passiert ist.