Erdbeben in Venezuela: IKRK organisiert schnelle Hilfe zur Unterstützung des Venezolanischen Roten Kreuzes
In den Tagen nach den Erdbeben vom 24. Juni reagierte das Venezolanische Rote Kreuz unverzüglich, um Hilfe für die betroffenen Menschen und die nationalen Behörden zu leisten. Das IKRK unterstützte die Arbeit der nationalen Gesellschaft mit Nothilfe in den Bereichen Wasser, Gesundheit, Forensik und für das Wohlergehen von Gefangenen.
Wasserversorgung
Das IKRK spendete 18 400 Wasserreinigungstabletten an das venezolanische Ministerium für Wasser, womit bis zu 755 000 Liter Wasser für eine Verwendung in Spitälern aufbereitet werden können. Gemäss den Sphere-Standards deckt diese Menge den täglichen Wasserbedarf von ca. 50 000 Personen bei 15 Litern pro Person und Tag.
Zudem lieferte das IKRK 21 Wasserzisternen mit einem Gesamtfassungsvermögen von mehr als 297 000 Litern Wasser an vier Spitäler und zwei Notunterkünfte in La Guaira, der am stärksten betroffenen Örtlichkeit. Zusätzlich spendeten wir 300 Zwanzig-Liter-Wasserkanister an das Ministerium für Wasser sowie 9000 Kunststoffsäcke und 24 Schutzbrillen an die Feuerwehr von Caracas.
Ingenieurinnen und Ingenieure des Programms für Wasser und Infrastruktur des IKRK halfen dem WASH-Team des Venezolanischen Roten Kreuzes durch fachliche Beratung bei der Einrichtung von Duschen und einer Stromversorgung für das Feldlazarett in La Guaira. Sie beschafften und installierten acht Duschen und einen Generator für das Feldlazarett, sowie 14 Abfallcontainer.
Gesundheit
Das IKRK leistete technische Unterstützung und lieferte medizinische Verbrauchsgüter an das Venezolanische Rote Kreuz, nicht zuletzt für den Aufbau eines Feldlazaretts in La Guaira. Am 26. Juni unterstützte das IKRK den Transport einer Wasserreinigungsanlage des Venezolanischen Roten Kreuzes von Barquisimeto ins Stadion von La Guaira, wo das Feldlazarett errichtet wurde. Damit kann dort nun sauberes Wasser für die Patientinnen und Patienten sowie die örtliche Bevölkerung bereitgestellt werden.
Forensische Unterstützung
Das IKRK spendete am 25. und 26. Juni insgesamt 540 Leichensäcke an den Nationalen Dienst für forensische Medizin und forensische Wissenschaft in Bello Monte.
Am 27. Juni wurden weitere 650 Leichensäcke an drei Standorten in La Guaira verteilt und zusätzliche 150 an die Feuerwehr von Caracas abgegeben. Ausserdem beriet das IKRK das Team des Venezolanischen Roten Kreuzes im Feldlazarett bei der Einrichtung eines temporären Leichenzeltes.
Wirtschaftliche Sicherheit und grundlegende Güter
Wir spendeten 100 Matratzen und Bettzeug an den Hauptsitz des Venezolanischen Roten Kreuzes. Zudem leisteten wir technische Unterstützung für das Direktorat für Katastrophenrisikomanagement der nationalen Gesellschaft, damit dieses eine schnelle Bedarfsermittlung durchführen und seinen Umgang mit Informationen optimal gestalten konnte.
Inhaftierte Personen
Das IKRK kontaktierte die Gefängnisbehörden, um Family-Links-Dienste für Gefangene zu ermöglichen. Es wurden Informationen übermittelt, um den Inhaftierten zu helfen, ihre Familien zu informieren und den Kontakt zu Angehörigen wiederherzustellen, von denen sie getrennt worden waren. Ausserdem spendeten wir 300 individuelle Hygienesets – 150 für Männer und 150 für Frauen – an das Ministerium für Gefängnisdienste.
Family-Links-Dienste und Kommunikation
Das IKRK stellte dem Venezolanischen Roten Kreuz zehn Mobiltelefone zur Verfügung, um die Kommunikationstätigkeit und die Family-Links-Dienste zu unterstützen, und half, zuvor gespendete Kommunikationssysteme zu aktivieren. Neun Freiwillige der nationalen Gesellschaft erhielten eine Grundausbildung in der Bedarfsermittlung für Family-Links-Dienste und in Kommunikation. Zudem begleitete das IKRK Teams des Venezolanischen Roten Kreuzes bei der Durchführung von Bedarfsermittlungen für Family-Links-Dienste in vier Spitälern in Caracas sowie in zwei Notunterkünften und unterstützte die Hotline der nationalen Gesellschaft, indem es Personen, die anriefen und um Informationen baten, direkt beriet.
Dem Venezolanischen Roten Kreuz wurden zwei Laptops zur Verfügung gestellt. Zuvor gespendete Kommunikationssysteme wurden nach La Guaira gebracht, um dort die Kommunikation für den Einsatz zu verbessern. Ebenfalls in La Guaira wurde eine Bedarfsermittlung für Family-Links-Dienste durchgeführt, um die Notunterkünfte zu kartieren und zu erfassen, wer den Kontakt zu Angehörige verloren hatte, sowie um die Reaktionskapazität der lokalen Behörden und anderer Organisationen zu beurteilen.
Weitere Unterstützung für die Bevölkerung
Das IKRK ist seit 1975 in Venezuela tätig und arbeitet vor Ort mit den nationalen Behörden, dem Venezolanischen Roten Kreuz und der Zivilgesellschaft an der Linderung der humanitären Not infolge von Gewalt, Inhaftierung und Vertreibung. Nach dem Erdbeben vom 24. Juni nutzten wir unsere etablierte Präsenz und unsere bestehenden Partnerschaften im Land, um die Unterstützung rasch auszuweiten. In den nächsten Tagen werden wir die Bedürfnisse weiterhin eng beobachten und unsere Tätigkeit entsprechend anpassen.