Gaza: Rauer Winter verschärft humanitäre Krise für vertriebene Palästinenserinnen und Palästinenser
Raues Winterwetter im Gazastreifen bringt neue Herausforderungen für die Bevölkerung, nachdem nach mehr als zwei Jahren des Konflikts Zehntausende getötet, verletzt oder vertrieben wurden und die grundlegende Infrastruktur in Trümmern liegt.
Die Mehrheit der mehr als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Gazastreifens wurde bereits mehrmals vertrieben. Die aktuelle beissende Kälte und die sintflutartigen Regenfälle sind daher nicht nur ein Zeichen für den Wechsel der Jahreszeiten, sondern letztlich auch eine Bedrohung für ihr Leben.
Mehrere Winterstürme haben jüngst vielerorts zu Überschwemmungen in den tiefergelegenen Gegenden und den Flüchtlingslagern geführt. Für viele Menschen wird dieser Alptraum ergänzt durch den Einsturz von Gebäuden, die durch die Kämpfe bereits beschädigt waren. Da es keine anderen Unterkunftsmöglichkeiten gibt, haben sich zahlreiche vertriebene Familien in Gebäuden niedergelassen, deren bauliche Struktur angeschlagen ist, wobei der strömende Regen und der starke Wind die Gefahr eines plötzlichen Einsturzes noch erhöhen. Somit werden diese Räumlichkeiten zu lebensbedrohlichen Zufluchten anstatt zu Orten, in denen die Menschen geschützt sind.
Schwierige Unterbringung
Seit dem Sturm erleben tausende Haushalte Überschwemmungen: Ihre Zelte stehen unter Wasser, wurden fortgerissen oder durch die starken Winde zerfetzt. In Deir al-Balah und Chan Yunis leben die Familien in behelfsmässigen Unterkünften, die nur wenig Schutz vor dem rauen Wetter bieten, ohne angemessene Privatsphäre, Sicherheit oder menschenwürdige Lebensbedingungen.
Yousef Abu Ghadayeen, ein vertriebener Vater aus dem Norden des Gazastreifens, der in Deir al-Balah Zuflucht gesucht hat, beschreibt die Zerstörung.
Der Verlust von Nutztieren wie Yousefs Esel ist ein katastrophaler Schicksalsschlag für Familien, die in den letzten zwei Jahren aufgrund der mehrfachen Flucht und der Folgen der Kämpfe nahezu alles verloren haben. Häufig sind sie von diesen Tieren abhängig, um sich ein kleines tägliches Einkommen zu erwirtschaften.
Hoher menschlicher Preis
Die Folgen für das Leben der Menschen sind tiefgreifend. Neben den Überschwemmungen und der Beschädigung der Unterkünfte trägt die dauernde Exposition gegenüber der Kälte – besonders nachts in den nicht isolierten Zelten – wesentlich dazu bei, die Menschen krank zu machen, und wird zu einer Gefahr für ihr Leben. Dies gilt insbesondere für Kinder und ältere Menschen.
Für die verletzlichsten unter ihnen stellt der Temperatursturz ein schwerwiegendes Gesundheitsrisiko dar. Spitäler berichten über einen bedeutenden Anstieg der Patientenzahlen – insbesondere Kinder –, die an akuten Atemwegsbeschwerden und einem gefährlichen Abfall der Körpertemperatur leiden. Unter solch rauen Bedingungen besteht ein dringender Bedarf an warmen Unterkünften und angemessener Kleidung.
Wafaa Khodeer, deren Zelt überschwemmt wurde, bringt ihre Verzweiflung zum Ausdruck.
An der Seite der Bevölkerung im Einsatz
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) arbeitet Seite an Seite mit der Palästinensischen Rothalbmondgesellschaft, um lebensrettende Soforthilfe zu leisten. Wir bleiben unserer Rolle als neutraler und unparteiischer humanitärer Akteur verpflichtet.
Das IKRK unterstützt die Menschen in Gaza aktiv durch eine Reihe humanitärer Initiativen mit folgenden kritischen Schwerpunkten:
- Unterstützung für Notunterkünfte, darunter die Verteilung von Materialien für Unterkünfte, Decken, Hygienesets und Sandsäcken für Familien, die von den winterlichen Überschwemmungen betroffen sind;
- Reparaturen an der Wasserversorgung und am Abwassersystem durch die Bereitstellung von Werkzeugen, Sicherheitsausrüstung und Maschinen für die Gemeinden vor Ort;
- Unterstützung für Gemeinschaftsküchen – eine lebenswichtige Ressource für tausende Familien –, um ihre Kapazitäten auszubauen und der steigenden Not zu begegnen;
- Aktivitäten in den Bereichen Gesundheit und Schutz, inklusive der Durchführung von Sensibilisierungsveranstaltungen in Partnerschaft mit dem Palästinensischen Roten Halbmond über die Gefahren nicht explodierter Kampfmittel, sowie Unterstützung für die lokalen Behörden im Umgang mit diesen Gefahren.
Das humanitäre Völkerrecht schreibt vor, dass die Grundbedürfnisse der Zivilbevölkerung gedeckt werden müssen. Die Menschen müssen Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischen Gütern und Hygieneartikeln, sicheren Unterkünften und anderen grundlegenden Dingen erhalten.