„Der internationale bewaffnete Konflikt hat Millionen Menschen in der Ukraine in den letzten vier Jahren hart getroffen“, sagte Krähenbühl. „Fast jede Familie musste den Verlust eines geliebten Menschen hinnehmen oder leidet unter Verletzungen, Vertreibung oder der extremen Angst, keine Nachrichten über einen gefangenen oder vermissten Angehörigen zu haben. Der Schmerz und das Trauma, die man bei einem solchen Besuch erlebt, sind konkret greifbar. Die Geschichten und die Bilder sind einfach erschütternd.“
Pierre Krähenbühl sprach im Rahmen seines Besuchs in Kiew mit hochrangigen Vertretern des Aussenministeriums und des Büros des Präsidenten sowie mit dem für Menschenrechte zuständigen Kommissar des ukrainischen Parlaments über die steigenden humanitären Bedürfnisse in der Ukraine sowie die wichtige Frage zum Umgang mit Kriegsgefangenen und vermissten Personen. In Gesprächen mit den Behörden und mit Familien, die verzweifelt nach Antworten über das Schicksal ihrer Angehörigen suchen, bekräftigte er die Entschlossenheit des IKRK, sich weiterhin für den Zugang zu allen Kriegsgefangenen einzusetzen.
Während eines Besuchs an einer von der Ukrainischen Rotkreuzgesellschaft (URCS) unterstützten Wärmestelle trafen Pierre Krähenbühl und Führungskräfte der URCS auf Menschen, deren Leben infolge der jüngsten Angriffe auf kritische Infrastruktur beeinträchtigt ist, da seither der Zugang zur Wärme- und Stromversorgung für Millionen Menschen in der gesamten Ukraine erheblichen Einschränkungen unterliegt.
„Die zahlreichen Gespräche mit den Menschen, die mit den Folgen des verheerenden Konflikts leben müssen, haben mich zutiefst bewegt. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt machen das Leben unerträglich, wenn Heizungen und die Stromversorgung für Stunden oder sogar Tage ausfallen, weil die Infrastruktur durch die Kampfhandlungen beschädigt wurde. Besonders für bereits gefährdete Personen wie ältere Menschen, Verletzte und diejenigen, deren Existenzgrundlage aufgrund des Verlusts von Familienmitgliedern erheblich belastet ist, sind die Folgen enorm“, sagte Krähenbühl.
Pierre Krähenbühl stattete unter anderem dem vom IKRK unterstützten physischen Rehabilitationszentrum in Kiew und der Abteilung für Verbrennungen des städtischen medizinischen Zentrums in Kiew eine Besuch ab. Dort traf er sich mit Mitarbeitenden und Patienten, die über die tragischen physischen und psychologischen Folgen dieses Konflikts berichteten. Er sprach auch mit Mitarbeitenden einer forensischen Einrichtung, die sich für die Identifizierung sterblicher Überreste einsetzt – ein Treffen, bei dem der immense menschliche Tribut dieses bewaffneten Konflikts unterstrichen wurde. Ausserdem standen die grosse Zahl an Familien, die weiter auf Antworten warten, und die Komplexität dieser zermürbenden Aufgabe im Zentrum der Gespräche.
„Ich habe diese Woche gesehen, wie wichtig diese Programme sind und wie wichtig es ist, bei der Rehabilitation, der Behandlung von Patienten, die sich von schrecklichen Verbrennungen erholen, oder bei der Behandlung der Verstorbenen Würde zu bewahren. Leider sind die humanitären Bedürfnisse infolge der Eskalation des internationalen bewaffneten Konflikts zwischen Russland und der Ukraine nach wie vor immens. Wir werden uns weiterhin umfassend dafür einsetzen, die so dringend benötigte Hilfe zu leisten.“ In Lwiw besuchte Pierre Krähenbühl ausserdem eines der Lager mit russischen Kriegsgefangenen, zu denen das IKRK regelmässigen Zugang hat.
Am Ende des Besuchs bekräftigte der Generaldirektor erneut, dass das humanitäre Völkerrecht, darunter der Schutz der Zivilbevölkerung, uneingeschränkt respektiert werden muss. Zudem müssen Schäden an der kritischen Infrastruktur, die wesentliche Dienstleistungen für die Bevölkerung erbringt, begrenzt werden, und das IKRK muss im Einklang mit den Genfer Abkommen uneingeschränkten und ungehinderten Zugang zu allen Kriegsgefangenen erhalten.
Das IKRK ist seit 2014 in der Ukraine tätig. Mit derzeit mehr als 750 Mitarbeitenden handelt es sich um einen der grössten Einsätze des IKRK weltweit.
Über das IKRK
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist eine neutrale, unparteiische und unabhängige Organisation mit einem ausschliesslich humanitären Auftrag, der in den Genfer Abkommen von 1949 verankert ist. Es hilft Menschen auf der ganzen Welt, die von bewaffneten Konflikten und anderen Formen von Gewalt betroffen sind, und es bemüht sich nach Kräften, ihr Leben und ihre Würde zu schützen und ihre Leiden zu lindern. Dies geschieht häufig an der Seite seiner Rotkreuz- und Rothalbmondpartner.
Weitere Informationen:
Oksana Kokhan, IKRK Kiew, Tel.: +380 676 988 788, E-Mail: okokhan@icrc.org
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