„Ich bin verletzt und versuche, nicht an Ebola zu denken.“ Nord- und Süd-Kivu in einer doppelten Krise – Konflikte und eine Epidemie
Kinshasa (IKRK) – Vom 15. Mai bis 15. Juni 2026 nahmen die fünf vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterstützten Spitäler in Nord- und Süd-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) insgesamt 303 Verletzte auf – rund 30 % mehr als vom 15. April bis 14. Mai. Die in diesen Provinzen grassierende Ebola-Epidemie verlangt eine verstärkte Wachsamkeit, doch das IKRK befürchtet, dass sie die nach wie vor enormen humanitären Bedürfnisse der von den bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen betroffenen Bevölkerung überschatten könnte.
Die Viruserkrankung Ebola bringt noch mehr Not und Angst mit sich, was eine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung darstellt, deren Resilienz bereits hart auf die Probe gestellt wurde. „Ich bin verletzt und versuche, nicht an Ebola zu denken. Unsere mentale Not ist bereits sehr gross. Hinzu kommen Hunger, Vertreibung, Schlafmangel ...“, zählt Pascal, der im allgemeinen Referenzspital Beni in Nord-Kivu liegt, ohnmächtig auf.
In Kivu verursacht der Einsatz von Sprengwaffen in dicht besiedelten Gebieten durch die Konfliktparteien weiterhin grosses humanitäres Leid für die Zivilbevölkerung. Das Ergebnis sind Tote und Verletzte, aber auch durch explosive Kriegsmunitionsrückstände kontaminiertes Land, darunter auch Landwirtschaftsland. Mehr als 16 % der Patientinnen und Patienten, die in den vom IKRK unterstützten Spitälern gepflegt werden, wurden bei Explosionen verletzt.
Die Ausbreitung des Virus in den von den Feindseligkeiten betroffenen Gebieten verschlimmert die Zugangsprobleme und verdeutlicht, wie wichtig es ist, einen offenen humanitären Raum zu gewährleisten, in dem die Kranken und die Helferinnen und Helfer keinen Gefahren ausgesetzt sind.
„Die Kombination von bewaffneten Konflikten und Epidemien ist verheerend. In dieser kritischen Situation ist es entscheidend, dass die Konfliktparteien verantwortungsvoll handeln, um eine Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich und eine optimale Koordination zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen alle möglichen Massnahmen ergriffen werden, um die Arbeit der humanitären Organisationen und ein rasches hindernisfreies Durchkommen für humanitäre Hilfe zu ermöglichen. Dies ist wichtig, damit Kranke und Verletzte möglichst rasch und angemessen medizinisch versorgt werden können“, erklärt François Moreillon, IKRK-Delegationsleiter in der DRK.
Die Antwort des IKRK in Nord- und Süd-Kivu von Januar bis Mai 2026
Versorgung von Menschen mit Waffenverletzungen
In den fünf vom IKRK unterstützten Spitälern in Nord- und Süd-Kivu (das allgemeine Referenzspital Beni und das Spital CBCA Ndosho Goma in Nord-Kivu sowie das allgemeine Provinzspital Bukavu, das allgemeine Referenzspital Uvira und das allgemeine Referenzspital Fizi in Süd-Kivu) wurden beinahe 1 400 durch Waffen verletzte Personen versorgt.
Schutz der Familienbande in Zusammenarbeit mit den Rotkreuzgesellschaften der DRK, von Burundi, Ruanda und Uganda
- Insgesamt 166 kongolesische Kinder wurden in der DRK mit ihren Familien zusammengeführt, darunter 99 Kinder in Nord- und Süd-Kivu.
- In Nord- und Süd-Kivu sowie in Burundi und Uganda wurden 4 045 kostenlose Anrufe für getrennte Familien organisiert. 2 660 Anrufe haben es ermöglicht, den Kontakt zwischen Angehörigen wiederherzustellen.
Hilfe für Kinder, die bewaffnete Streitkräfte und Gruppen verlassen haben oder die Gefahr liefen, rekrutiert zu werden
- 54 Jugendliche zwischen 9 und 19 Jahren wurden aus einem Gefängnis in Nord-Kivu befreit; 47 davon konnten mit ihren Familien zusammengeführt werden.
- 28 Kinder konnten in Rutshuru und Masisi in Nord-Kivu dank bereitgestelltem Schulmaterial wieder zur Schule gehen.
- 2 Kinder profitierten in Rushuru und Masisi in Nord-Kivu von einem sozio-ökonomischen Wiedereingliederungsprogramm.
Lebensmittel- und Finanzhilfe in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz der DRK
- 20 430 Personen (Vertriebene und Gastfamilien) in Nord- und Süd-Kivu wurden finanziell unterstützt, damit sie Lebensmittel und Güter für den täglichen Bedarf kaufen konnten.
- 900 Personen (Vertriebene und Gastfamilien) in Nord- und Süd-Kivu wurden mit Fischbrut und Werkzeugen ausgestattet, um eine Fischzucht zu beginnen.
- 240 schutzbedürftige Personen (Opfer von sexueller und anderer Gewalt) in Nord- und Süd-Kivu wurden zur Deckung ihrer unmittelbaren Bedürfnisse finanziell unterstützt.
Unterstützung in den Bereichen Wasser und Infrastruktur
- 40 Kinder profitierten von den Renovierungsarbeiten eines Aufnahmezentrums in Goma in Nord-Kivu.
- Mehr als 3 400 Inhaftierte in den Zentralgefängnissen von Beni und Butembo in Nord-Kivu profitierten von Chlor-Spenden zur Verbesserung der Infektionsprävention und zur Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten.
- Rund 27 200 Personen profitierten von der Installation von Trinkwasserversorgungssystemen und Wasserverteilstellen in Nord-Kivu (Mbau, Mavivi und Congo ya Sika).
- Rund 57 200 Personen profitierten von der Installation von Trinkwasserversorgungssystemen in Süd-Kivu (Kalehe Centre, Kalehe Littoral und Buziralo).
- Der Wasserverteilbetrieb (REGIDESO, Uvira) erhielt Materialspenden und chemische Produkte für die Wasseraufbereitung.
- Zahlreiche durch Waffen verletzte Personen und andere Patientinnen und Patienten profitierten von den Renovierungsarbeiten und Installationen (Wasser-, Strom- und Sanitäranlagen sowie zusätzliche Zelte) in den unterstützten Spitälern in Beni, Uvira und Fizi.
Weitere Informationen:
Robert Mwimuka, IKRK Goma, Tel.: + 243 (0) 812256360, rmwimuka@icrc.org
Francine Kongolo, IKRK Kinshasa, Tel.: +243 (0) 81 992 23 28, fkongolo@icrc.org
Eléonore Asomani, IKRK Dakar, Tel.: +221 78 186 46 87, easomani@icrc.org