Erklärung

IKRK-Präsidentin: 77 Jahre Genfer Abkommen – ein unerlässliches Regelwerk für Menschlichkeit und globale Stabilität

Erklärung von Mirjana Spoljaric, Präsidentin des IKRK, anlässlich des 77. Jahrestages der vier Genfer Abkommen von 1949.
UNSC briefing in PoC 8 Apr 2026

Am 12. August 1949 kam die Staatengemeinschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und einer nie da gewesenen Anzahl Toten sowie einer beispiellosen Zerstörung zusammen, um die Genfer Abkommen zu unterzeichnen. Dabei verpflichtete sie sich zu universell geltenden roten Linien bei der Art und Weise, wie Kriege geführt werden.

77 Jahre später wird das Versprechen der Staatengemeinschaft, für Menschlichkeit im Krieg zu sorgen, in alarmierendem Tempo untergraben. Jedes Jahr gibt es mehr Konflikte auf der Welt. Technologien wie Drohnen sowie Cyber-Fähigkeiten verändern das Schlachtfeld und verwischen die Vorstellung klar definierter Frontlinien. Gräueltaten werden auf gefährliche Art und Weise zu einem Normalzustand, während den Kriegsopfern jegliche Menschlichkeit versagt wird. 

In der heutigen vernetzten Welt ist niemand immun gegen die Folgen von Kriegen. Als Vertragsparteien der Genfer Abkommen trägt die Staatengemeinschaft eine einzigartige Verantwortung, wenn es um die Einhaltung dieser lebensrettenden Regeln geht. Es handelt sich um einen moralischen und strategischen Imperativ, der die Menschen in der Nähe und abseits der Frontlinien schützt. Er bedeutet auch eine Grundlage für Frieden und Wohlstand in der Welt.

Ein Kurswechsel ist immer noch möglich, aber nur, wenn jetzt aussergewöhnliche Anstrengungen unternommen werden, um die Achtung des humanitären Völkerrechts und das Engagement für dieses Recht zu stärken. Über 115 Staaten haben sich offiziell einer globalen Initiative angeschlossen, um den politischen Willen für die Achtung des humanitären Völkerrechts zu erneuern. Ich rufe alle Staaten, die der Initiative noch nicht beigetreten sind, dazu auf, dies zu tun. Die Welt, die wir zukünftigen Generationen hinterlassen, hängt von den Entscheidungen ab, die führende Politikerinnen und Politiker heute treffen, um sich dem Erhalt dieser lebensrettenden Regeln zu verpflichten.