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Libanon: Wasserversorgung und lebenswichtige Dienstleistungen im Angesicht der kampfbedingten Zerstörung der Infrastruktur aufrechterhalten

ICRC staff member standing beside large blue water pipes and filtration infrastructure at a water treatment facility in Lebanon, monitoring equipment used to maintain water supply.

Nach Jahren verschärfter Krisen und wiederkehrender Kampfhandlungen haben die Menschen in ganz Libanon schon lange Mühe, Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu erhalten. Nach der Eskalation des Konflikts mit Israel am 2. März 2026 sind die Sorgen vieler Gemeinden noch grösser geworden. Kritische Wasserinfrastruktur wurde beschädigt und grundlegende Dienstleistungen stehen nur bedingt zur Verfügung, mit schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung. 

Mit dem Zusammenbruch der Versorgungssysteme und der immer schwierigeren Instandhaltung ist der Zugang zu sauberem Wasser zunehmend beeinträchtigt, was eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt und die humanitären Bedürfnisse weiter verschärft. Als Reaktion darauf hat das IKRK seine Aktivitäten im Bereich Wasser und Unterkunft rasch ausgeweitet, um sicherzustellen, dass die Zivilbevölkerung weiterhin Zugang zu sauberem Trinkwasser hat und in den betroffenen Gebieten eine funktionierende medizinische Versorgung gewährleistet ist.

Das IKRK unterstützt die ununterbrochene Bereitstellung der Wasserversorgung und sanitärer Dienstleistungen im gesamten Land durch die Versorgung einer wichtigen Abwasseraufbereitungsanlage im Südlibanon sowie von 75 Wasserpumpstationen in Baalbeck, Hermel, Saida, Jezzine, Zahrani, Nabatäa, Tyros, Mardsch-Uyun und Hasbaya mit Treibstoff. So kann der Zugang zu Wasser für über 817 000 vom Konflikt betroffene Menschen gewährleistet werden.

Als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage im Zusammenhang mit der Vertreibung der Menschen wurden in der Bekaa-Ebene (Niha, Deir Al-Ahmar) und Hermel Reparaturen durchgeführt und Bohrlöcher zur Versorgung von 24 000 Menschen Betrieb genommen. Weitere Reparaturen umfassten konfliktbedingte Schäden an den Wassernetzen zweier Orte (Brital und An-Nabī Schaith) in der Bekaa-Ebene, mit denen 45 000 Menschen versorgt werden. Parallel dazu wurden Reparaturen an den Hauptwasserleitungen durchgeführt, die 13 Gemeinschaftsunterkünfte für etwa 2 000 Vertriebene sowie die umliegenden aufnehmenden Gemeinden im Bezirk Jezzine versorgen. Reparaturen an konfliktbedingten Schäden an den Wassernetzen in Mardsch-Uyun im Südlibanon werden zudem 18 000 Menschen zugute kommen. Diese Massnahmen tragen dazu bei, den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen an Orten zu stabilisieren, an denen die Infrastruktur beschädigt wurde bzw. überlastet ist. 

ICRC staff member walking through a water treatment facility in Lebanon, surrounded by large blue pipes and filtration systems used to maintain and restore access to clean water.

Zur Stärkung der lokalen Kapazitäten bei der Instandhaltung stellte das IKRK Werkzeug, Material und Verbrauchsgüter für die südlibanesischen Wasserwerke (SLWE) und diejenigen in der Bekaa-Ebene (BWE) zur Verfügung. Dazu gehörten 50 Batterien und 5 000 Liter Motorenöl für Generatoren, Ersatzteile für Reparaturen und zwei 20 000 Liter fassende Stahltanks zur Lagerung von Treibstoff an das SLWE sowie eine Spende von hydraulischen Crimpwerkzeugen, drei Elektrofusionsmaschinen und Wartungsmaterial für 41 Fahrzeuge an die BWE. Diese Bemühungen verstärken die Kapazitäten der Wasserwerke, trotz des erhöhten Drucks durch die Vertreibung von Familien und Schäden an der Infrastruktur ihre Versorgung zuverlässig aufrechtzuerhalten.

Zusammen mit dem Libanesischen Roten Kreuz hat das IKRK 14 Gemeinschaftsunterkünfte begutachtet, um den Bedarf an dringenden Reparaturen an der Wasserversorgung, sanitären Einrichtungen und Unterkünften festzustellen, insbesondere in Gegenden, in denen andere humanitäre Organisationen kaum Zugang haben. Anschliessend wurden Massnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass vertriebene Familien solange unter sicheren und würdevollen Bedingungen leben können, bis längerfristige Lösungen bereitstehen.

ICRC and Red Crescent staff stand together at a water infrastructure site in Lebanon, coordinating efforts to improve and maintain access to clean water for local communities.
IKRK
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Das IKRK setzt sich für die ununterbrochene Bereitstellung einer grundlegenden medizinischen Versorgung im Libanon ein, indem es Treibstoff für wichtige Spitäler bereitstellt, darunter 35 000 Liter für das Universitätsspital Rafik Hariri, 18 000 Liter für das staatliche Spital Tebnine und 40 000 Liter für vier Spitäler in vom Konflikt betroffenen Gebieten. Zur Aufrechterhaltung des Betriebs wurden täglich 6 000 Liter Wasser zum Spital Salah Ghandour im Südlibanon transportiert, während medizinischer Sauerstoff, Sauerstoffflaschen und anderes Material dazu beitrugen, die lebensrettenden Dienstleistungen in neun Spitälern aufrechtzuerhalten. Ersatzteile, Pumpen, Werkzeug für Wartungsarbeiten, Splitterschutzfolien und Verbrauchsmaterial für Generatoren wurden ebenfalls bereitgestellt, um die Infrastruktur des staatlichen Spitals Tebnine zu stärken; zudem wurde im Spital Sohmor in der Bekaa-Ebene ein Generator installiert. 

Darüber hinaus wurden Ersatzteile für sanitäre Infrastruktur, passive Sicherheitsartikel, Werkzeug für Wartungsarbeiten sowie Verbrauchs- und Wartungsmaterial für Generatoren an Spitäler ausgegeben, darunter an das Universitätsspital Rafik Hariri sowie die Spitäler Tebnine, Hasbaya, Mardsch-Uyun, Sohmor, Dschabal ʿĀmil, Hiram und das Lebanese Italian Hospital in Tyros. Diese Massnahmen trugen zu einer ununterbrochenen medizinischen Versorgung für die von den Kämpfen am meisten betroffenen Gemeinden bei.

Two ICRC vehicles drive along a rural road in Lebanon, traveling through mountainous terrain to support water supply and other essential services for communities in need.