Bericht

IKRK-Jahresbericht 2025

South Sudan. More than ten thousand people who have fled armed conflict in Sudan receive food and essential household items from the ICRC.
J. Ali/IKRK

Millionen Menschen auf der ganzen Welt müssen mit den Folgen bewaffneter Konflikte und anderer Situationen von Gewalt leben. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat sich im Rahmen seiner Aktivitäten in mehr als 90 Ländern weltweit weiterhin dafür eingesetzt, das Leid der Menschen zu verringern und zu verhindern.

Das Jahr 2025 war geprägt von den Folgen von mehr als 130 bewaffneten Konflikten auf das Leben von Menschen auf der ganzen Welt. Lang anhaltende Konflikte und neue Notsituationen haben dazu geführt, dass noch mehr Menschen verletzt wurden oder gestorben sind oder in einem erheblichen Ausmass vertrieben wurden. Familien wurden voneinander getrennt und Angehörige sind verschwunden. Menschen hatten kaum Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, Gesundheitsversorgung und anderen grundlegenden Gütern.

Die Wahrung des humanitären Völkerrechts (HVR) wurde zunehmend ausgehöhlt: eine selektive Auslegung oder sogar vollumfängliche Missachtung der Regeln forderte einen verheerenden menschlichen Tribut. Darüber hinaus stiegen die Risiken im Zusammenhang mit dem Einsatz neuer Technologien in der Kriegsführung, einschliesslich der Nutzung künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig gingen die Finanzmittel für den gesamten humanitären Sektor deutlich und nachhaltig zurück.

In diesem schwierigen Umfeld haben wir uns weiterhin unerschütterlich darum bemüht, unser Mandat zu erfüllen.  Der Schutz von Menschen, die von Konflikten und anderen Situationen von Gewalt betroffen sind, blieb bei unserer Arbeit von zentraler Bedeutung, während wir auf immer umfassendere, komplexere Notsituationen reagiert haben. Wir haben weiterhin zur Förderung des HVR beigetragen, indem wir darauf hingearbeitet haben, die Wahrung der Regeln wiederherzustellen und sicherzustellen, dass die Genfer Abkommen ein Rettungsanker für all diejenigen bleiben, die besonders akut von Konflikten betroffen sind. 

Ukraine. The ICRC helps people clarify the fate and whereabouts of their missing loved ones, working with the pertinent authorities and National Societies.
T. Oliinyk/IKRK
T. Oliinyk/IKRK

Ukraine. Das IKRK hilft Menschen bei der Klärung des Schicksals und des Aufenthaltsorts ihrer vermissten Angehörigen, indem es mit zuständigen Behörden und Nationalen Gesellschaften zusammenarbeitet. Liudmyla gehört zu den Menschen, die Informationen über ihre Angehörigen suchen. Seit ihr Enkel verschwunden ist, schreibt sie Gedichte, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und mit der Belastung fertig zu werden.

Das IKRK weltweit

2025 waren 17 337 Mitarbeitende in 93 Delegationen und Missionen in über 90 Ländern weltweit tätig.

Map of ICRC presence in 2025

Die zehn grössten Einsätze (nach Ausgaben in Mio. CHF)

157,8

 Ukraine 

154,4

Israel und besetzte Gebiete 

100,5

 Jemen

98,6

Afghanistan

97,7

Syrisch-Arabische Republik 

89,6

Demokratische Republik Kongo 

85,1

Sudan

68,5

Somalia

62,2

Südsudan 

61,1

Nigeria

Seela lost her right leg and her immediate family when her home was bombed. With ICRC support, she received physical rehabilitation and was fitted with a prosthetic limb at the Artificial Limb and Polio Centre in Gaza City, helping her regain mobility.
A. Al Waheidi/IKRK
A. Al Waheidi/IKRK

Seela hat ihr rechtes Bein und ihre direkte Familie verloren, als ihr Haus bombardiert wurde. Mit Unterstützung des IKRK erhielt sie im Zentrum für künstliche Gliedmassen und Polio in Gaza-Stadt eine Prothese und konnte auf das Angebot an physischen Rehabilitationsleistungen zurückgreifen, um wieder mobiler zu werden. Sie träumt davon, wieder in die Schule zu gehen und Ärztin zu werden, um verletzten Kindern genauso zu helfen, wie ihr selbst geholfen wurde.

Ergebnisse 2025

Wir führten Gespräche mit rund 139 800 Mitarbeitenden des Militärs, der Polizei, der Sicherheitskräfte und bewaffneter Gruppen über das HVR und humanitäre Fragen, um den Schutz der Zivilbevölkerung und die Einhaltung der Regeln zu fördern.

Am Jahresende waren rund 100 Staaten der Globalen Initiative zum humanitären Völkerrecht beigetreten. Zusammen mit diesen Staaten erörterten wir dringende Herausforderungen im Zusammenhang mit dem HVR und arbeiteten an konkreten und praktischen Empfehlungen, um diese Herausforderungen vor Ort anzugehen.

Wir ermöglichten es Familienmitgliedern, untereinander wieder Kontakt aufzunehmen und zu wahren. In diesem Zusammenhang erreichten uns rund 92 800 Rotkreuznachrichten und wir konnten etwa 73 200 Rotkreuznachrichten verteilen und über 1,46 Mio. Telefonanrufe ermöglichen.

Wir besuchten 557 Haft- und Internierungsanstalten, in denen mehr als 678 300 Personen untergebracht sind, um sicherzustellen, dass sie menschenwürdig behandelt wurden. 

Wir unterstützten 669 Spitäler bei der lebensrettenden Versorgung von Verwundeten und Kranken. In einigen dieser Spitäler verstärkten die mobilen OP-Teams des IKRK die dringend benötigte medizinische Versorgung.

Wir verbesserten den Zugang zu sauberem Wasser, Unterkünften und sanitären Einrichtungen für 33,53 Mio. Menschen – oft in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.

28 693

Schicksale bzw. Aufenthaltsorte vermisster Personen geklärt

796

Personen (davon 715 Kinder) mit ihren Familien zusammengeführt

22 036

inhaftierte bzw. internierte Personen besucht und individuell überwacht

3,09 Mio.

Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt

2,43 Mio.

Menschen mit grundlegenden Gütern oder Bargeld zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen versorgt

8,47 Mio.

Heilbehandlungen in vom IKRK unterstützten Zentren für medizinische Grundversorgung durchgeführt

111 739

chirurgische Spitaleinweisungen aufgrund von Verletzungen infolge eines Waffeneinsatzes direkt überwacht und unterstützt

265 589

Personen mit körperlichen Behinderungen mit Rehabilitationsleistungen oder einer Unterstützung zur gesellschaftlichen Eingliederung versorgt

143

Spitäler und physische Rehabilitationseinrichtungen mit Bau- und Reparaturprojekten unterstützt

Unerschütterliche Unterstützung durch unsere Spenderinnen und Spender sowie unsere Partner

Wir haben unsere Einsätze mit Unterstützung unserer Partner sowie Spenderinnen und Spender fortgesetzt. Sie haben zusammen einen Beitrag von rund 1,76 Mrd. Schweizer Franken für unsere Arbeit geleistet, von dem 1,53 Mrd. Schweizer Franken Einsätzen vor Ort und 227,5 Mio. Schweizer Franken dem Sitz des IKRK zugewiesen wurden; 45 % der Beiträge waren flexibel einsetzbare Mittel, die uns die Möglichkeit gaben, immer dort zu reagieren, wo der Bedarf am dringendsten war.

84 % Regierungen und Europäische Kommission

13 % Private und öffentliche Quellen

2 % Supranationale Organisationen und internationale Institutionen

1 % Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung

Jahresbericht lesen (auf Englisch)

Weitere wichtige Informationen sind dem Überblick über den Jahresbericht 2025 (auf Englisch) zu entnehmen. 

Der vollständige Jahresbericht 2025 kann aus der Online-Bibliothek des IKRK heruntergeladen werden: