Syrien: Hunderttausende neu Vertriebene benötigen dringend Sicherheit und lebensrettende Unterstützung

25. Februar 2020
Syrien: Hunderttausende neu Vertriebene benötigen dringend Sicherheit und lebensrettende Unterstützung
Eine Gruppe vertriebener Syrer sitzt in einem unterirdischen Zufluchtsort im Dorf Taltouna, 17 km nordwestlich von Idlib. epa/YAHYA NEMAH

Genf (IKRK) – Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist zutiefst besorgt über die sich rasch verschlechternde Sicherheitslage sowie die zunehmend schwierigen Lebensbedingungen von Hunderttausenden neu vertriebenen Personen in der Region Idlib, die keine Möglichkeit mehr haben, sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen.

„Es handelt sich um die schlimmste Vertreibungswelle seit dem Beginn des Syrien-Konflikts. Inmitten des strengen Winters in Idlib sind die Menschen eingeschlossen, isoliert und ohne jegliche Möglichkeit, mit dieser Situation umzugehen. Das ist völlig unakzeptabel“, so Fabrizio Carboni, IKRK-Direktor für den Nahen und Mittleren Osten in Genf.

Der Zugang zu medizinischer Versorgung und grundlegenden Versorgungsgütern für die Zivilbevölkerung in der Region Idlib verschlechtert sich zunehmend und verursacht lebensbedrohliche Situationen, die bereits in der Vergangenheit zu vermeidbaren Todesfällen geführt haben. Der eingeschränkte Zugang zu einer Gesundheitsversorgung, schwierige Lebensbedingungen und Probleme bei einem Ortswechsel gehören zu den wesentlichen humanitären Folgen der Kampfhandlungen in Idlib.

„Wir fordern die Konfliktparteien auf, der Zivilbevölkerung den Umzug in sichere Gebiete zu ermöglichen, sei es in Gegenden, die von den Konfliktparteien kontrolliert werden, oder jenseits der Frontlinien. Nur so können das Leben, die Würde, die Gesundheit und das Wohlbefinden dieser Menschen gewahrt werden“, erklärte Carboni.

Anfällige Personen wie ältere und behinderte Menschen sind besonders stark vom Mangel an grundlegenden Gütern und Dienstleistungen betroffen. Kinder, denen grundlegende Nährstoffe für ein gesundes Wachstum verwehrt bleiben, laufen Gefahr, ein Leben lang darunter zu leiden. Das nasskalte Winterwetter verschärft die Bedingungen weiter und führt zu erheblichen Schäden.

Wenn die Zivilbevölkerung aus Sicherheitsgründen fliehen muss, müssen alle erdenklichen Massnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass Familienmitglieder nicht voneinander getrennt werden und alle unter angemessenen Bedingungen mit Blick auf Unterkunft, Hygiene, Gesundheit, Sicherheit und Ernährung umgesiedelt werden.

Die Zivilbevölkerung und zivile Objekte sind gemäss dem humanitären Völkerrecht gegen unmittelbare Angriffe geschützt. Mörser und Raketen dürfen nicht wahllos in bewohnte Gebiete auf beiden Seiten der Frontlinien abgeschossen werden, genauso wenig wie wahllose Angriffe verboten sind. Spitäler, Märkte und Schulen dürfen nicht angegriffen werden.

Aufgrund der andauernden Kampfhandlungen und der Verschiebung der Frontlinien wird der Zugang für humanitäre Helfer immer schwieriger und riskanter. Sollte es die Situation jedoch zulassen, steht das IKRK zusammen mit dem Syrisch-Arabischen Roten Halbmond bereit, seine humanitäre Hilfe auszuweiten. Wir fordern alle Parteien auf, uns den Zugang und die entsprechenden Sicherheitsgarantien zu gewähren, damit wir den Bedürfnissen der Menschen auf beiden Seiten der Frontlinien nachkommen können.

Für Medienanfragen:

Ingy Sedky, ICRC Syria spokesperson
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Sarah Alzawqari, ICRC Regional Spokesperson for the Middle East and North Africa
salzawqari@icrc.org
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Ruth Hetherington, Near and Middle East Spokesperson, ICRC Geneva +41 79 447 3726

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