Umgang mit sexueller Gewalt

Fragen und Antworten: sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten

In vielen aktuellen Konflikten ist sexuelle Gewalt tragischerweise weit verbreitet. Das IKRK hat sich verpflichtet, seine Bemühungen zur Vorbeugung dieser verheerenden Taten zu erhöhen und den Opfern entsprechende Unterstützung zu bieten. In diesem Bericht werden die Art der sexuellen Gewalt, die Bedürfnisse der Opfer, die präventive Arbeit des IKRK, der Schutz und die Unterstützung sowie die Rechtsgrundlagen für ein Verbot sexueller Gewalt untersucht.

Auf die Bedürfnisse von Opfern sexueller Gewalt reagieren

Das Auftreten sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten war schon immer weit verbreitet und wurde häufig als unvermeidbare Konsequenz kriegerischer Handlungen betrachtet. Sexuelle Gewalt ist weiterhin ein verheerendes Phänomen mit zerstörerischen Folgen für ihre Opfer – Frauen, Männer, Jungen und Mädchen – und deren Familien und ganze Dorfgemeinschaften. Ausserdem wird nach wie vor zu wenig über diesen Missbrauch berichtet, sodass dieser in seiner Häufigkeit und seinen Folgen unterschätzt wird. Die humanitäre Reaktion auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Opfer bleibt somit unzureichend.

Trotz dieser Herausforderung ist das IKRK davon überzeugt, dass sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten Einhalt geboten werden kann. Das IKRK bemüht sich darum, mithilfe eines umfassenden Aktionsplans mit Unterstützungs-, Schutz- und Vorbeugemassnahmen sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Opfer erfüllt werden und Aktionen durchgeführt werden, mit denen diesem Missbrauch vorgebeugt wird. Es hat sich für die nächsten vier Jahren zur Verbesserung seiner Reaktion verpflichtet, indem es seine Programme ausweitet und seine Kompetenzen, dieses komplexe und heikle Phänomen anzusprechen, stärkt.

1. Was ist sexuelle Gewalt?

Mit dem Begriff „sexuelle Gewalt" werden erzwungene Handlungen sexueller Art beschrieben, d.h. Handlungen, die aus Angst vor Gewalt, Nötigung, Inhaftierung, psychologischem Druck oder Machtmissbrauch gegenüber jeglichem Opfer, sei es Mann, Frau, Junge oder Mädchen, erfolgen. Die Vorteilnahme eines erzwungenen Umfelds oder die Unfähigkeit des Opfers, eine gültige Zustimmung zu den Handlungen zu geben, stellt eine weitere Form der Nötigung dar. Sexuelle Gewalt umfasst den Tatbestand der Vergewaltigung, sexueller Sklaverei, erzwungener Prostitution oder Schwangerschaft, erzwungener Sterilisierung oder jeglicher anderer Form sexueller Gewalt ähnlichen Ausmasses.

Solche Handlungen erfolgen nur selten isoliert, sondern bilden eine Art Missbrauchs- und Gewaltmuster, zu dem auch Tötungen, Rekrutierungen von Kindern, Zerstörung von Eigentum und Plünderungen gehören. Sexuelle Gewalt kann auch als Vergeltungsmassnahme eingesetzt werden, um Angst zu schüren, oder bei Folterungen zum Einsatz kommen. Sie kann auch systematisch Teil der Kriegsführung sein, um das soziale Gefüge zu zerstören.

2. Wer ist betroffen und wie?

Bewaffnete Konflikte und andere Situationen von Gewalt beeinflussen das Leben von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen ganz unterschiedlich. Bestimmte Menschen sind für sexuelle Gewalt anfälliger als andere. Dazu gehören Binnenflüchtlinge, Migranten, Witwen, weibliche Familienvorstände, Inhaftierte, Personen, die bewaffneten Kräften oder bewaffneten Gruppen angehören, sowie spezifische ethnische Minderheiten. Sexuelle Gewalt wird auch an Männern und Jungen verübt, und unter bestimmten Umständen führen Inhaftierungen zu einer besonderen Anfälligkeit für derartige Handlungen.

Sexuelle Gewalt kann zu ernsthaften körperlichen und seelischen Traumata, einer HIV-Infizierung oder gegebenenfalls zum Tod führen. Ausserdem leiden die Opfer oftmals doppelt: Sie müssen nicht nur gefährliche und lang anhaltende Verletzungen und Traumata ertragen, sondern werden darüber hinaus von ihren Familien und Dorfgemeinschaften stigmatisiert und verstossen.

Trotz der Verbreitung sexueller Gewalt in zahlreichen bewaffneten Konflikten bliebt diese doch häufig im Dunkeln. Schuld- und Schamgefühle, Angst vor Vergeltung oder die Tabuisierung des Themas hindern die Opfer mitunter daran, die Handlungen anzuzeigen, sodass das gesamte Ausmass dieses Problems häufig im Verborgenen bleibt. Aus diesen Gründen kann es sehr schwer sein, die Opfer zu erreichen und ihnen entsprechende Unterstützung zu bieten.

3. Was sind die Bedürfnisse von Opfern sexueller Gewalt?

Die Opfer sexueller Gewalt müssen zuallererst mit Würde behandelt werden. Ihre Privatsphäre muss gewahrt bleiben und die Unterstützung muss streng vertraulich bereitgestellt werden. Des Weiteren ist es unabdingbar, die Sicherheit der Opfer zu gewährleisten und weitere Angriffe zu verhindern. Die Angst vor Repressalien und Angriffen verhindert mitunter die Anzeige derartiger Handlungen durch die Opfer, während diejenigen, die sexuelle Gewalt anprangern, sich in eine gefährliche Sicherheitslage begeben und noch anfälliger für Angriffe werden.

Sexuelle Gewalt ist ein medizinischer Notfall, der gegebenenfalls schwere körperliche und seelische Konsequenzen für die Opfer bedeutet. Es ist entscheidend, dass die Opfer innerhalb von 72 Stunden ungehinderten Zugang zu qualifizierter und medizinischer Versorgung erhalten, um das Risiko von sexuell übertragbaren Krankheiten und Infektionen sowie HIV zu senken und Zugang zu Notfallverhütung gemäss geltendem Recht des jeweiligen Landes zu erhalten.

Falls eine Vergewaltigung zu einer ungewollten Schwangerschaft führt, bedienen sich die Opfer mitunter unsicherer Praktiken zur Beendigung der Schwangerschaft, mit denen sie ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen. Unsichere Abtreibungen sind ein gravierendes Problem des öffentlichen Gesundheitswesens. Kinder, die einer Vergewaltigung entstammen, und ihre Mütter sind ebenfalls äusserst gefährdet und riskieren, von ihren Dorfgemeinschaften verstossen zu werden. Diese Kinder laufen ausserdem Gefahr, getötet zu werden oder anderen Arten der Gewalt ausgesetzt zu sein.

4. Welche Hürden müssen Opfer überwinden, um Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten?

Der Zugang zu einer umfassenden medizinischen Versorgung, einschliesslich psycho-sozialer Unterstützung, ist für die Opfer sowohl akut als auch langfristig entscheidend. Allerdings stellt der Zugang zu medizinischer Versorgung in bewaffneten Konflikten oftmals eine grosse Herausforderung dar. In vielen Fällen ist den Opfern nicht bewusst, dass sie dringende medizinische Versorgung benötigen, oder sie erhalten aufgrund ihrer Angst, Unsicherheit oder fehlender medizinischer Einrichtungen keinen Zugang zu einer entsprechenden Versorgung. Die medizinische Infrastruktur kann begrenzt oder infolge des Konflikts beschädigt oder zerstört sein, sodass die Opfer nicht behandelt werden können.

Diese laufen häufig auch Gefahr für ihre Sicherheit, wenn sie versuchen, die Zentren der Gesundheitsversorgung zu erreichen. Mitunter müssen sie lange Wege in einer schwierigen Sicherheitslage zurücklegen, um Hilfe zu suchen, und finden schliesslich eine medizinische Infrastruktur vor, die aufgrund des Konflikts nicht mehr funktionsfähig ist. Die komplexe Art der bewaffneten Konflikte führt dazu, dass humanitäre Helfer Schwierigkeiten haben, Opfer zu erreichen und ihnen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

5. Was ist mit nicht-medizinischen Bedürfnissen?

Über die medizinische Versorgung hinaus muss bei der humanitären Reaktion eine Reihe weiterer Faktoren berücksichtigt werden. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass Opfer sexueller Gewalt vor weiterem Missbrauch geschützt werden, unter anderem durch die Schaffung eines Bewusstseins für das Risiko und durch Aktivitäten zur Reduzierung dieses Risikos.

Opfer, die nach Gerechtigkeit verlangen, müssen vollständig über die zur Verfügung stehende Unterstützung informiert werden und Schutz gegen Vergeltungsmassnahmen erhalten. Darüber hinaus müssen Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden. Es ist entscheidend, dass die Opfer nicht gefährdet werden, wenn sie Rechtsmittel gegen die sexuellen Handlungen einlegen.

In zahlreichen Situationen stehen die Opfer vor erheblichen Schwierigkeiten, wenn sie in ihre Dorfgemeinschaften zurückkehren. Eine Sensibilisierung zu diesem Thema ist wichtig, um zu verhindern, dass die Opfer und ihre Kinder stigmatisiert, zurückgewiesen und verstossen werden. Partner, Kinder und andere Familienmitglieder benötigen ebenfalls Unterstützung und Betreuung.

Vertriebene oder Menschen, die ihre Lebensgrundlage infolge sexueller Gewalt verloren haben, benötigen häufig Unterkunft und wirtschaftliche Unterstützung, um ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen.

6. Was tut das IKRK, um die Bedürfnisse der Opfer sexueller Gewalt in seinen Programmen und Aktivitäten anzusprechen?

Als humanitäre Organisation bemüht sich das IKRK darum, bei seiner Reaktion auf die Bedürfnisse der betroffenen Männer, Frauen, Mädchen und Jungen die Ursachen und Folgen sexueller Gewalt anzusprechen. Die Aktivitäten des IKRK umfassen die Bereitstellung medizinischer Versorgung, Schutz, Unterstützung, Schaffung von Bewusstsein und Vorbeugung.

Je nach Kontext stellt das IKRK direkte medizinische Betreuung bereit oder verweist die Opfer an vorhandene medizinische Einrichtungen, unter anderem zur Vorbeugung von Krankheiten, zur Behandlung von Verletzungen und Krankheiten sowie zur Gewährleistung von Verhütungsleistungen gemäss der nationalen Gesetzgebung. Das IKRK unterstützt häufig nationale Gesundheitszentren, Transporte und das Personal hinsichtlich des Aufbaus von Wissen, Infrastruktur und medizinischer Ausrüstung. Darüber hinaus bemüht sich das IKRK darum, sowohl medizinische als auch psychologische Unterstützung in seine Aktivitäten für Opfer sexueller Gewalt zu integrieren. Das IKRK verfügt über zahlreiche Programme, in deren Rahmen Betreuung und Unterstützung bereitgestellt wird sowie psychologische und soziale Bedürfnisse angesprochen werden.

Es bietet den Opfern auch wirtschaftliche Unterstützung für einen Neuanfang. Dazu gehören unter anderem die Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Haushaltsartikeln und Unterkunft, die Unterstützung bei der Schaffung neuer Einkommensquellen oder bei den Kosten für den Transport in medizinische oder psychologische Einrichtungen.

In Zusammenarbeit mit den lokalen Dorfgemeinschaften schafft das IKRK ein grösseres Bewusstsein für die Thematik, identifiziert Risikofaktoren und entwickelt Schutzmechanismen gegen sexuelle Gewalt. So stellt das IKRK beispielsweise Frauen verbrauchsarme Öfen bereit, damit diese beim Sammeln von Feuerholz nur wenig Zeit aufbringen müssen, da sie bei dieser Tätigkeit dem Risiko aussetzt sind, sexuelle Gewalt zu erleiden. Ausserdem hat das IKRK Dorfgemeinschaften dabei unterstützt, Wasserlöcher in der Nähe der Dörfer zu bohren, damit die Frauen keine langen Wege mehr beschreiten müssen, um Wasser zu holen, und somit ebenfalls das Risiko reduziert wird, sexuelle Gewalt zu erleiden.

7. Was sagt das humanitäre Völkerrecht hinsichtlich sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten?

Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt, die im Rahmen eines nationalen oder internationalen bewaffneten Konflikts begangen werden, stellen eine Verletzung des humanitären Völkerrechts (HVR) dar. Alle Parteien eines bewaffneten Konflikts müssen sich an das Verbot sexueller Gewalt halten. Alle Staaten haben die Pflicht, die Täter strafrechtlich zu verfolgen.

Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt sind gemäss der Vertragstexte (Vierte Genfer Konvention und die ersten beiden Zusatzprotokolle) sowie dem in internationalen und nationalen bewaffneten Konflikten anwendbaren Gewohnheitsrecht verboten.

8. Ist sexuelle Gewalt ein Kriegsverbrechen?

Im Statut des Internationalen Strafgerichtshofs gelten Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt als Kriegsverbrechen bzw. Handlungen, die ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begründen, wenn sie im Rahmen eines ausgedehnten oder systematischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung begangen werden.

Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt können auch andere Kriegsverbrechen begründen. Vergewaltigung begründet typischerweise Folter, beispielsweise wenn diese von einer staatlichen Stelle vorsätzlich begangen wird, um ein Opfer zu einem Geständnis zu bewegen.

Sexuelle Gewalt begründet auch das Verbrechen des Völkermords, beispielsweise wenn es sich um die Verhängung von Zwangsmassnahmen handelt, die auf die Geburtenverhinderung innerhalbeiner Gruppe gerichtet sind, wie z.B. Genitalverstümmelung oder Sterilisation. Vergewaltigung kann auch als Massnahme zur Geburtenverhinderung begangen werden: In patriarchalischen Gesellschaften wird beispielsweise das Kind einer Frau, die von einem Mann einer anderen ethnischen Gruppe geschwängert wurde, nicht zur ethnischen Gruppe der Mutter gehören.

Jede einzelne Vergewaltigung, die im Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt begangen wird, begründet ein Kriegsverbrechen und muss strafrechtlich verfolgt werden. Darüber hinaus stellt sexuelle Gewalt zu jeder Zeit eine Verletzung der Bestimmungen des humanitären Völkerrechts und zahlreicher nationaler bzw. religiöser oder traditioneller Gesetze dar.

9. Was ist mit denjenigen, die für sexuelle Gewalt verantwortlich sind?

Das IKRK fordert alle Parteien bewaffneter Konflikte auf, sich an ihre Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht zu halten und Frauen, Männer, Mädchen und Jungen gegen Handlungen sexueller Gewalt zu schützen sowie einen ungehinderten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Opfer sexueller Gewalt zu gewährleisten.

Das IKRK erinnert die Parteien bewaffneter Konflikte daran, dass alle Formen sexueller Gewalt gemäss dem humanitären Völkerrecht verboten sind und fordert sie auf, dieses Verbot in nationale Gesetzgebung, militärische Verhaltensregeln und Schulungshandbücher für Waffenträger aufzunehmen. Es führt Informationsveranstaltungen für Waffenträger auf der ganzen Welt zum Verbot sexueller Gewalt durch und passt diese Veranstaltungen an die unterschiedlichen Tatmuster an, die es beobachtet hat.

Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt, die zu ernsthaften Verletzungen des humanitären Völkerrechts führen, ziehen eine strafrechtliche Verantwortung nach sich, für die ein Täter entsprechend belangt werden muss. Alle Staaten sind verpflichtet, diese Verletzungen als strafbare Handlungen in ihre nationale Gesetzgebung aufzunehmen und jeden Fall sexueller Gewalt strafrechtlich zu verfolgen.

Ausserdem drückt das IKRK in einem vertraulichen Dialog mit Behörden und bewaffneten Gruppen seine Sorge über beobachtete oder mutmassliche Angaben zu sexuellen Gewalttaten aus. Dazu zählen auch die Folgen derartiger Handlungen für die Opfer und ihre Dorfgemeinschaften, die juristischen und strafrechtlichen Konsequenzen sowie mögliche Massnahmen zur Identifizierung und Bestrafung der Täter, um die Bevölkerung zu schützen und das Risiko derartiger Verbrechen zu senken.

10. Wie verläuft die Zusammenarbeit der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bei diesem Problem?

Soweit möglich arbeitet das IKRK mit lokalen Dienstleistern und Partnern innerhalb der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung (die Bewegung) wie den Nationalen Gesellschaften zusammen. Wie bei einer Reihe von anderen Angelegenheiten übernehmen die verschiedenen Elemente der Bewegung unterschiedliche, sich einander ergänzende Aufgaben im Zusammenhang mit Problemen sexueller und geschlechterbasierter Gewalt. Gemäss seinem Mandat spricht das IKRK einen speziellen Aspekt dieser Probleme an, indem es sich auf sexuelle Gewalt in Situationen wie einem bewaffneten Konflikt konzentriert. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) und einzelne Nationale Gesellschaften verfolgen einen umfassenderen Ansatz hinsichtlich sexueller und geschlechterbasierter Gewalt und engagieren sich beispielsweise auch bei der Gewaltprävention im Zusammenhang mit Naturkatastrophen.

Erst im Dezember 2015 legten IKRK und IFRC der 32. Internationalen Konferenz des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds einen gemeinsamen Entwurf für eine Resolution unter dem Titel „Sexual and gender-based violence: Joint action on prevention and response" (Sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt: Gemeinsames Handeln zur Vorbeugung und Reaktion) vor. Die Internationale Konferenz, bei der die Vertragsparteien der Genfer Konventionen von 1949 sowie die Mitglieder der Bewegung zusammenkommen, hat die Resolution einstimmig angenommen, in der sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt unabhängig von den Umständen, aber insbesondere bei bewaffneten Konflikten, Katastrophen und anderen Notlagen, auf das schärfste verurteilt werden.

In der Präambel sind die gemeinsamen Bedenken hinsichtlich sexueller und geschlechterbasierter Gewalt bei bewaffneten Konflikten, Katastrophen und anderen Notlagen festgehalten. Beispielsweise wird in Anerkennung der Tatsache, dass sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt häufig im Dunkeln bleibt, weil Angst und Tabuisierung die Opfer/Überlebenden daran hindert, die Handlungen anzuzeigen, die Bedeutung der präventiven Arbeit und der Beseitigung dieser Gewalt sowie der Vorbereitung einer entsprechenden Reaktion auf die Bedürfnisse der Opfer/Überlebenden vor dem Auftreten spezieller Fälle unterstrichen. Auch wenn Frauen und Mädchen überproportional betroffen sind, wird darüber hinaus anerkannt, dass auch Männer und Jungen Opfer sexueller und geschlechterbasierter Gewalt werden können. Das erste Kapitel der Resolution konzentriert sich auf sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten und definiert den besonders alarmierenden Aspekt sexueller und geschlechterbasierter Gewalt sowie des deutlichen Verbots von sexuellen Gewalttaten in bewaffneten Konflikten gemäss dem humanitären Völkerrecht. Das zweite Kapitel behandelt sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt in Katastrophen und anderen Notlagen. Das dritte Kapitel umfasst Massnahmen der Mitglieder der Bewegung, Kooperationen und Partnerschaften.

Vor Ort setzen das IKRK, die IFRC und eine Reihe von Nationalen Gesellschaften zahlreiche Aktivitäten zur Vorbeugung, Schaffung von Bewusstsein, Aufbau von Wissen und humanitärer Diplomatie sowie medizinischer, psycho-sozialer, wirtschaftlicher und rechtlicher Unterstützung um. Seit dem Delegiertenrat 2013 wurden für die gesamte Bewegung gemeinsame Definitionen für die wichtigsten Begriffe entwickelt sowie ein Gutachten zu den Initiativen der Bewegung, zu bewährten Vorgehensweisen und Herausforderungen und zu Problemen hinsichtlich sexueller und geschlechterbasierter Gewalt im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten und Katastrophen erstellt. In einem Bericht an den Delegiertenrat 2015 wurden die Hauptergebnisse präsentiert. Darüber hinaus wurden auch Untersuchungen durchgeführt, um Politik, Lobbyarbeit und operative Aktivitäten zu sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten und auf Geschlechterbasis bei Katastrophen zu stärken.

Bestellen Sie unseren Newsletter!