Humanitäre Krise in Afghanistan

Faizabad im Nordosten Afghanistans ist Provinzhauptstadt und die grösste Stadt der Provinz Badakhshan. Masoud Samimi/IKRK

Afghanistan hat massive Veränderungen erlebt, der Bedarf an humanitärer Hilfe ist nach wie vor enorm. Seit 30 Jahren sind wir in Afghanistan im Einsatz und leisten vor Ort wichtige humanitäre Hilfe und Unterstützung. Auch jetzt werden wir unsere Präsenz nicht verringern und unsere Mitarbeitenden nicht aus Afghanistan evakuieren oder abziehen. Gemeinsam mit unserem Partner, der Afghanischen Rothalbmondgesellschaft, sind wir weiterhin im ganzen Land im Einsatz.

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Krieg zerrüttet Körper und Seele. Vier Jahrzehnte Krieg zerrütten eine ganze Nation.

Peter Maurer, Präsident des IKRK

Weiterhin werden Menschen durch Minen und Sprengkörper verletzt. Unsere Mitarbeiter im Mirwais Regional Hospital in Kandahar berichten, dass sie Überweisungen von Menschen erhalten, die durch Sprengstoffwaffen verwundet wurden, darunter viele Kinder, bei denen häufig Amputationen erforderlich sind. Hinzu kommt ein enormer Zustrom von Patienten, die während der schweren Kämpfe der letzten Wochen durch Waffen verletzt wurden.

Das IKRK hat Zugang zu allen Teilen des Landes. Wir arbeiten seit Jahren in den von den Taliban kontrollierten Gebieten und haben eine positive Arbeitsbeziehung zu ihnen, sowohl auf der höchsten Ebene als auch auf der Ebene der lokalen Führung. Die Veränderungen in Afghanistan haben unsere Beziehung nicht verändert, und die aktuelle Situation ändert nichts an der Art und Weise, wie wir zu arbeiten versuchen.

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Die Gesundheitsversorgung ist ein eindeutiger und dringender Bedarf. In den letzten Wochen, als die Kämpfe in den Städten andauerten, wurden Tausende von Menschen verletzt. In den ersten beiden Augustwochen halfen wir bei der Behandlung von mehr als 7.600 durch Waffen verwundeten Menschen in 48 Gesundheitseinrichtungen. In den Monaten Juni, Juli und August wurden in den vom IKRK unterstützten Einrichtungen mehr als 40.000 Menschen behandelt, die durch Waffen verletzt wurden.

Badakhshan, Faizabad - Dieser eineinhalbjährige Junge leidet an einer Fehlbildung. Er wird in einem IKRK-Zentrum für physische Rehabilitation behandelt. Masoud Samimi/IKRK.

Mittlerweile haben wir die Zahl der unterstützten Gesundheitseinrichtungen auf nun 89 Kliniken und mobile medizinische Einsatzteams verdoppelt. Hinzu kommen zwei Spitäler, eines in Kandahar und eines in Kabul, die von der Afghanischen Rothalbmondgesellschaft betrieben werden. Wir wollen den Zugang zu Impfungen und zur Primärversorgung verbessern – unter anderem für Schwangere.

Leider beobachten die Kliniken eine Zunahme an Kindern, die durch neu verlegte Minen verwundet wurden. Die Minenräumung muss Priorität erhalten, zum Wohl aller Kinder, die aus natürlicher Neugierde heraus eines baldigen Tages vielleicht eine Mine anfassen und dabei ein Bein oder einen Arm – oder gar ihr Leben verlieren werden. Seit Beginn unseres Einsatzes in Afghanistan im Jahr 1988 haben die orthopädischen Teams des IKRK mehr als 210 000 Patientinnen und Patienten mit Behinderungen behandelt. Jedes Jahr betreuen wir rund 150 000 Personen. Wir helfen ihnen, damit sie wieder laufen können. Und, ebenso wichtig: Wir helfen ihnen, wieder Teil der Gesellschaft zu werden und ein würdevolles Leben führen zu können.

Helfen auch Sie und unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende:

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7.600
in den ersten beiden Augustwochen durch Waffen verwundete Menschen wurden in 48 Gesundheitseinrichtungen medizinisch versorgt.
40.000+
Menschen, die durch Waffen verletzt wurden, wurden im Juni, Juli und August in vom IKRK unterstützten Einrichtungen behandelt.
79.953
Patienten wurden on Januar bis Juni 2021 in den sieben vom IKRK unterstützten Zentren für physische Rehabilitation betreut, darunter 7.138 neu registrierte Patienten und 723 Menschen mit amputierten Gliedmassen.
Über 3%
der Bevölkerung Afghanistans leidet unter einer durch Konflikt und Gewalt bedingten Form von Behinderung, unzureichender präventiver und kurativer Medizin, Mangel an Rehabilitationseinrichtungen und kompetenten Ärzten sowie fehlenden finanziellen Mitteln.