Gemeinsam für einen universell verfügbaren Impfstoff gegen COVID-19

03. Juni 2020

(New York/Genf, 3. Juni 2020) - Die Vereinten Nationen und die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung rufen zur Einheit auf, für verstärkte Anstrengungen, um sichere, wirksame, hochwertige und erschwingliche Diagnostik, Therapien, Arzneimittel und Impfstoffe zu entwickeln, zu testen und in grossen Mengen zu produzieren. Insbesondere fordern wir von den Regierungen, der Privatwirtschaft, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft, sich ein gemeinsames Ziel zu setzen, nämlich die Entwicklung „eines Impfstoffes für die gesamte Menschheit".

COVID-19 ist eine weltweite Erkrankung, die alle Menschen rund um den Globus trifft, sich jedoch überproportional härter auf die verletzlichsten Gruppen und die Verwundbarsten unserer Gesellschaften auswirkt. Der Wettlauf zur Entwicklung der wirksamsten Mittel gegen das Virus ist in vollem Gange. Dabei gilt es jedoch, den Geist der globalen Solidarität hochzuhalten: Niemand darf aussen vor bleiben. Ein Impfstoff für die gesamte Menschheit sollte gleichwohl die Wohlhabenden in den Städten wie die Armen auf dem Land schützen, die Älteren in den Pflegeheimen wie die Jungen in den Flüchtlingslagern. Ein globaler Gesellschaftsvertrag für einen universell verfügbaren COVID-19-Impfstoff ist ein moralischer Imperativ, der uns alle in unserer gemeinsamen Menschlichkeit vereint.

Die Einheit und das Engagement für einen Impfstoff gegen COVID-19 für die gesamte Menschheit sollte einhergehen mit einer entsprechenden weltweiten Zusammenarbeit und Entschlossenheit, die Immunisierung gegen vermeidbare Krankheiten voranzutreiben. In mindestens 68 Ländern wurden die Kinderimpfdienste durch die COVID-19-Schutzmassnahmen stark beeinträchtigt. In 27 Ländern mussten Masernimpfkampagnen ausgesetzt und in 38 Ländern Impfkampagnen gegen Kinderlähmung vorübergehend unterbrochen werden. Dadurch laufen mindestens 80 Millionen Kinder unter einem Jahr Gefahr, an Krankheiten wie Masern, Diphtherie und Kinderlähmung zu erkranken. Die Vereinten Nationen und die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung rufen die internationalen und nationalen Partner auf, Impfungen weiterhin als Priorität zu behandeln, da sie ein entscheidendes Werkzeug zur Verhinderung einer überhöhten Sterblichkeit sind, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen und in humanitären Umgebungen.

Während die Welt in die Entwicklung neuer Technologien gegen COVID-19 und in die Aufrechterhaltung der Impfdienste weltweit investiert, möchten wir aber auch warnen: Die Wirkung biomedizinischer Massnahmen ist nur teilweise garantiert, wenn die Reaktion gegen die Pandemie von den Menschen nicht verstanden und mitgetragen wird. In den Anfangsphasen früherer Epidemien, etwa Ebola in der Demokratischen Republik Kongo, mussten wir die bittere Erfahrung machen, dass die Konsequenzen verheerend sind, wenn Gemeinschaften nicht prioritär behandelt werden. Diesen Fehler sollten wir nicht nochmals begehen. Daher rufen wir die Regierungen und nichtstaatliche Akteure auf, prioritär in die Gemeinschaften zu investieren und dafür zu sorgen, dass alle Menschen ohne Unterschied mit dem nötigen Wissen sowie den erforderlichen Ressourcen und Werkzeugen versorgt werden, um sich vor COVID-19 zu schützen. Denn bis ein Impfstoff für die gesamte Menschheit verfügbar sein wird, liegt die Hoffnung auf eine Abschwächung der Folgen dieser Pandemie in erster Linie im Wissen und Verhalten der Menschen und in ihrer Fähigkeit, die direkten und indirekten Auswirkungen von COVID-19 zu bewältigen.

Kontakt für weitere Informationen:

Tommaso Della Longa, IFRC, +41 79 708 43 67, tommaso.dellalonga@ifrc.org
Matthew Cochrane, IFRC, +41 79 251 80 39, matthew.cochrane@ifrc.org
Ewan Watson, ICRC, +41 79 244 64 70, ewatson@icrc.org
Zoe Paxton, UNOCHA, + 1 917 297 1542, zoe.paxton@un.org
Jens Laerke, UNOCHA, +41 79 472 9750, laerke@un.org