Irak: Laut IKRK-Präsident verhindern enorme Herausforderungen die Rückkehr vieler Iraker in ihre Heimat

04. Februar 2019
Irak: Laut IKRK-Präsident verhindern enorme Herausforderungen die Rückkehr vieler Iraker in ihre Heimat
IKRK-Präsident Peter Maurer mit dem achtjährigen Ali in Mossul, Irak CC BY-NC-ND / IKRK / IBRAHIM SHERKHAN

Bagdad/Genf (IKRK) – Der Wiederaufbau der sozialen Infrastruktur im Irak ist entscheidend dafür, dass das Land seine von Gewalt geprägte Vergangenheit hinter sich lassen kann, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bei seinem viertägigen Besuch im Irak, der ihn unter anderem nach Mossul, Bagdad und Erbil führte.

IKRK-Präsident Peter Maurer betonte die ausserordentlichen Herausforderungen, mit denen die Bevölkerung im ganzen Land umgehen müsse, darunter die Tatsache, dass auch über ein Jahr nach dem Ende der Kampfhandlungen immer noch 1,8 Millionen Menschen innerhalb des Irak vertrieben sind und ein Drittel der Menschen weiterhin in Lagern lebt.

„Das Ausmass der Zerstörung im Irak bleibt weiterhin schockierend; was allerdings weniger sichtbar ist, sind die sozialen Narben, die sich tief in die irakische Gesellschaft eingegraben haben", so Peter Maurer. „Wenn der Irak wieder auf die Beine kommen soll, muss die Gesellschaft auf eine Aussöhnung hinarbeiten. Dafür muss eine sichere, freiwillige und vorurteilsfreie Rückkehr für alle vertriebenen Iraker, die nach Hause zurückkehren wollen, gewährleistet werden."

Peter Maurer fügte ausserdem hinzu, dass die entsprechenden Bedingungen für eine Rückkehr dieser Menschen gegeben sein müssten, und betonte den weiterhin allgemein vorherrschenden Bedarf an humanitärer Hilfe.

„Die Rückkehr der Menschen darf nicht übereilt erfolgen", so Maurer. „Die Menschen benötigen Unterkünfte und grundlegende Dienstleistungen, darunter sauberes Trinkwasser und eine Gesundheitsversorgung, sowie Möglichkeiten, für ihren Lebensunterhalt aufzukommen, ein sicheres Umfeld und die Räumung explosiver Kampfmittelrückstände."

Im Rahmen der Bedeutung eines Aussöhnungsprozesses unterstrich Peter Maurer auch die Notwendigkeit ordentlicher Gerichtsverfahren und würdevoller Haftbedingungen für alle Inhaftierten unabhängig von ihren Vergehen oder ihrer Nationalität.

Weiterhin betonte er die Notwendigkeit, das Schicksal vieler, weiterhin vermisster Personen aus den jahrzehntelangen verschiedenen Konflikten zu klären. Es wird allgemein angenommen, dass Hunderttausende Menschen betroffen sind.

„Menschen, die Angehörige vermissen, müssen die entsprechenden Antworten erhalten", sagte Maurer. „Ich habe in Mossul Familien getroffen, die nach ihren Söhnen, Vätern und Ehemännern suchen. Sie haben mir von ihrem tagtäglichen seelischen Leid berichtet, nicht zu wissen, was mit ihren Angehörigen geschehen ist. Die irakische Gesellschaft und die zuständigen Behörden müssen sich dieses emotionalen Problems annehmen."

Aber trotz der enormen Zerstörung, die in Mossul immer noch zu sehen ist, gibt es doch erste positive Anzeichen auf eine Rückkehr zur Normalität. Peter Maurer erklärte: „Die Menschen sind dabei, ihre Häuser von Trümmern zu befreien, und haben in dem am meisten zerstörten westlichen Teil der Stadt sogar erste Geschäfte eröffnet. Das ist wirklich ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der irakischen Bevölkerung."

Während seines vom 1. bis 4. Februar dauernden Besuchs traf sich Peter Maurer mit Premierminister Adil Abd al-Mahdi, Präsident Barham Salih, dem stellvertretenden Premierminister Fuad Hussein und dem Sprecher des Parlaments, Mohammed al-Halbousi. Dabei unterstrich er das Engagement des IKRK, zusammen mit seinen Partnern der Irakischen Rothalbmondgesellschaft die irakische Bevölkerung während des aktuellen Wiederaufbaus nach der jahrelangen Gewalt und Unsicherheit weiterhin zu unterstützen.

Unterstützung des IKRK im Irak 2018:

  • Besserer Zugang zu sauberem Trinkwasser für 2,5 Millionen Menschen durch die Erneuerung von 47 Wasserversorgungssystemen.
  • Nahrungsmittelpakete für 340 000 Menschen, grundlegende Haushaltsartikel für 275 000 Menschen und Bargeldzuwendungen für 120 000 Menschen.
  • Über 300 000 Untersuchungen in 17 vom IKRK unterstützten Zentren der primären Gesundheitsversorgung und 2 vom IKRK unterstützten Spitälern.
  • Klärung des Verbleibs von über 1 050 vermissten Personen und Aufnahme 5 250 neuer Anträge für eine Suche nach vermissten Personen.
  • Physische Rehabilitationsleistungen für über 39 400 Personen mit Behinderung in dem vom IKRK betriebenen Zentrum in Erbil sowie in 15 vom IKRK unterstützten Zentren.
  • Besuch von über 54 000 Gefangenen in 91 Haftanstalten und Beitrag zur Wiederherstellung bzw. zum Erhalt von Familienkontakten – darunter für Gefangene – anhand der Verteilung von 28 420 schriftlichen und mündlichen Nachrichten.

Fotos und Videos aus dem Irak können hier heruntergeladen werden.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte folgende Personen:

1) Nagham Awada, Bagdad: +964 790 191 6927, nawada@icrc.org 
2) Sarah Al-Zawqari, Beirut: +961 313 83 53, salzawqari@icrc.org 
3) Sam Smith, Genf: +41 79 217 32 10, ssmith@icrc.org