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Das IKRK im Jahr 2025: Stets an vorderster Front für die Menschlichkeit

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Foto: Alex Majoli / Magnum Photos
Im September 2025 unterstützte das IKRK rund 1200 zurückkehrende Familien, die Mehrheit davon Frauen und Kinder, mit grundlegenden Haushaltsartikeln wie Zucker, Seife, Decken, Moskitonetzen, Öl zum Kochen und Bohnen. Mehr als eine Million Flüchtlinge und Rückkehrerinnen und Rückkehrer sind seit dem 15. April 2023, als im Sudan der Krieg ausbrach, in verschiedene Teile des Südsudans aufgebrochen – eine grosse Belastung für die knappen Ressourcen, insbesondere an Nahrung und Trinkwasser, aber auch an Bildung und medizinischer Versorgung.

Im Jahr 2025 beeinträchtigten bewaffnete Konflikte das Leben von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Kriege wurden fast ohne Unterlass geführt, neue Krisen entwickelten sich, und die Zivilbevölkerung war in einer Spirale der Gewalt gefangen, die Häuser zerstörte, grundlegende Dienste beeinträchtigte und Familien auseinanderriss. In vielen Situationen wurde das humanitäre Völkerrecht nicht eingehalten, mit verheerenden Folgen für die Menschen, die bereits zuvor unter unvorstellbaren Bedingungen um ihr Überleben kämpfen mussten.

Während des gesamten Jahres war das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Einsatz, um diesen Menschen zu helfen. Einige der Krisen dominierten die internationale Bühne, viele andere hingegen ereigneten sich weit weg der Schlagzeilen. Die humanitären Folgen dieser häufig vergessenen Konflikte waren jedoch nicht weniger schlimm.

Unabhängig vom Kontext – ob viel darüber berichtet oder die Krise übersehen wurde – war der Ansatz des IKRK stets derselbe: Wir blieben nahe an den betroffenen Menschen, linderten das Leiden und wahrten dabei die Grundsätze der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit, die humanitäre Arbeit in Kriegen erst möglich machen.

Medical staff and Red Cross volunteers provide emergency care to an injured person lying on a stretcher inside a temporary field hospital, with an IV drip being prepared nearby.
Sarah Davies/IKRK
Sarah Davies/IKRK

In der Notaufnahme des IKRK-Feldlazaretts in Gaza während der Ankunft einer grossen Zahl von Verletzten. Im „roten Bereich“ werden Personen, die sofortige, lebensrettende Betreuung benötigen – etwa, wenn eine starke Blutung unter Kontrolle gebracht werden muss – stabilisiert, bevor sie in einen Operationssaal, eine andere medizinische Einrichtung oder eine Spitalabteilung verlegt werden.

Medizinische Versorgung bereitstellen, wo sie am dringendsten benötigt wird

2025 war der Zugang zu medizinischer Versorgung eine zentrale Säule der Tätigkeit des IKRK für die Betroffenen von bewaffneten Konflikten. Dies galt insbesondere für Orte, an denen die Gesundheitssysteme beeinträchtigt oder überlastet waren und sie keinen Zugang zu grundlegenden Ressourcen hatten.

Das IKRK unterstützte Spitäler und medizinische Einrichtungen in Gaza, im internationalen bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, im Sudan, im Südsudan, im Osten der Demokratischen Republik Kongo und an vielen anderen Orten. Dazu stellte es medizinische Güter und Ausrüstung bereit, organisierte Schulungen und leistete direkte operative Unterstützung. Chirurgische Teams behandelten Personen, die durch Waffen verletzt worden waren, häufig in Einrichtungen, die unter extremem Druck arbeiten mussten. Gleichzeitig sorgten Primärversorgungsdienste für einen Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen mit wenig anderen Möglichkeiten.

In Afghanistan half die langfristige Unterstützung der Gesundheitsversorgung und der physischen Rehabilitationsdienste Menschen mit Behinderungen – viele davon infolge des jahrelangen Konflikts –, ihre Mobilität und Unabhängigkeit zurückzuerlangen. In Myanmar blieb die gesundheitliche Unterstützung angesichts der anhaltenden Gewalt und des erschwerten Zugangs, insbesondere nach dem Erdbeben, das die bereits strapazierten Dienste weiter beeinträchtigte, entscheidend.

Unsere Arbeit zur Unterstützung der Gesundheitsversorgung für Konfliktbetroffene

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Foto: Sarah Avrillaud
Foto: Sarah Avrillaud

25. September 2025: Das Al-Shifa-Spital in Gaza-Stadt, das vom IKRK mit grundlegenden medizinischen Gütern und medizinischen Einwegartikeln, darunter Verbandsmaterial, Stabilisierungssets und Infusionen, unterstützt wurde. Diese Güter sind lebenswichtig, um kranke und durch Waffen verwundete Menschen zu behandeln.

Familien wiedervereinen und bei der Suche nach Antworten helfen

Angehörigen zu helfen, den Kontakt zueinander aufrechtzuerhalten und Antworten zu finden, wenn Familienmitglieder vermisst werden, stand auch im Jahr 2025 im Zentrum des humanitären Auftrags des IKRK.

Durch seine Family-Links-Dienste erleichterte das IKRK den Kontakt zwischen durch Konflikte getrennten Familienangehörigen an allen Ecken und Enden der Welt. Für viele Familien brachte ein Anruf, eine Nachricht oder die Bestätigung, dass ein Mitglied am Leben ist, nach Monaten oder Jahren der Ungewissheit Erleichterung.

Das IKRK setzte auch seine Arbeit fort, um das Schicksal von Vermissten aufzuklären. Dazu unterstützte es Familien bei ihrer Suche nach Antworten und pflegte den Kontakt zu Behörden und Konfliktparteien im Hinblick auf einen humanen Umgang mit sterblichen Überresten. Bei diesem Tätigkeitsbereich handelt es sich um eine der längsten und schmerzhaftesten Folgen von bewaffneten Konflikten.

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Foto: Mohammed Jamal
Foto: Mohammed Jamal

Vertriebene Frauen und Kinder haben im Lager von Tawila im Sudan, wohin die Familien auf der Flucht vor den Kämpfen gelangt sind, gemeinsam Zuflucht gefunden. Viele wurden von ihren Liebsten getrennt und wissen nicht, wann und ob sie jemals wieder vereint sein werden.

Gefangene besuchen und ihre Haftbedingungen überwachen

Alle Gefangenen haben ein Recht auf eine menschliche Behandlung und würdevolle Haftbedingungen, unabhängig davon, aus welchem Grund sie verhaftet und eingesperrt wurden.

Im Jahr 2025 setzte das IKRK seine Arbeit für Gefangene in Verbindung mit bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen fort. Unsere Teams besuchten Hafteinrichtungen, um die Haftbedingungen und die Behandlung der Gefangenen zu beurteilen, mit den Insassen zu sprechen und einen vertraulichen Dialog mit den inhaftierenden Behörden zu pflegen.

Diese Besuche konzentrierten sich auf praktische Aspekte, die sich direkt auf das Leben der Gefangenen auswirken. Dazu gehörten der Zugang zu Nahrung und Wasser, medizinische Versorgung, Hygiene, Unterbringung und der Kontakt zur Familie. Das IKRK organisierte ausserdem den Austausch von Nachrichten mit den Angehörigen und andere Formen der Kommunikation, um den Gefangenen zu helfen, den Kontakt zu ihrer Familie während der Haft aufrechtzuerhalten.

Durch einen anhaltenden vertraulichen Dialog mit den Behörden versuchten wir, während der Besuche ermittelte Probleme anzusprechen und langfristige Verbesserungen zu fördern. Für die Gefangenen und ihre Familien trug diese Arbeit dazu bei, sicherzustellen, dass die Haftbedingungen und die Behandlung der Inhaftierten von einem unabhängigen humanitären Akteur überwacht werden und ihre Situation nicht übersehen wird.

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Mike Khalaf/IKRK
Mike Khalaf/IKRK

IKRK-Mitarbeitende während eines Gefangenenbesuchs im Kasnazan-Gefängnis in Erbil, Irak, im Gespräch mit den Behörden zur Beurteilung der Haftbedingungen und der Behandlung der Gefangenen, im Einklang mit unserem Auftrag, eine menschliche Behandlung zu fördern und den Kontakt zwischen den Gefangenen und ihren Familien aufrechtzuerhalten.

Wasserversorgung, Unterkünfte, Strom und grundlegende Dienste wiederherstellen

In vielen Konfliktsituationen ist die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet, weil grosse Schäden an der Wasserversorgung, an Häusern und der Grundinfrastruktur angerichtet wurden. Auch im Jahr 2025 unterstützte das IKRK den Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung, Unterkünften und grundlegenden Diensten in Gebieten, in denen Konflikte den Alltag beeinträchtigten.

In einigen der am schwersten zu erreichenden Gegenden der Welt reparierten unsere Teams Wasserleitungsnetze, verbesserten den Zugang zu sicherem Trinkwasser und unterstützten wo immer möglich die Heizungs- und die Stromversorgung. Diese Arbeit reduzierte die Gesundheitsrisiken und half den Menschen, mit langfristiger Vertreibung und Instabilität besser zurechtzukommen.

In Myanmar und in Afghanistan wurde die Nothilfe nach dem Erdbeben in die breitere humanitäre Tätigkeit integriert. So konnte Soforthilfe geleistet und gleichzeitig die längerfristige Unterstützung für die bereits vom Konflikt und anderen Gewaltsituationen betroffenen Menschen gestärkt werden.

Unsere Arbeit zum Schutz der öffentlichen Gesundheit

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Foto: Tetiana Oliinyk
Foto: Tetiana Oliinyk

Valentyna Nasaruk, 79, lebt im Dorf Sucha Kamjanka im Bezirk Isjum. Nur noch vier Personen leben hier. Seit April 2022 hat das Dorf keinen Strom mehr, nachdem die Stromleitungen bei den Kämpfen zerstört wurden. Die Wasserversorgung ist ebenfalls unzuverlässig, da der kleine Fluss im Sommer häufig austrocknet und die Brunnen nicht mehr versorgt. Valentyna lebt mit ihrer Tochter zusammen.

Die Gefahren der Waffenkontamination verringern

Noch lange Zeit, nachdem die Kämpfe abgeebbt sind, bleiben nicht explodierte Kampfmittel eine Gefahr für die Zivilbevölkerung. 2025 war das Thema Waffenkontamination ein wichtiges Anliegen.

Das IKRK unterstützte Sensibilisierungsaktivitäten in direktem Kontakt mit der Bevölkerung, um sie über sicheres Verhalten aufzuklären, und arbeitete mit Behörden und Partnern, um die Gefahren nicht explodierter Kampfmittel und andere Explosionsgefahren zu reduzieren. Diese Initiativen trugen dazu bei, Verletzungen und Todesfälle zu verhindern und einen sichereren Zugang zu Häusern, Feldern und grundlegenden Diensten zu ermöglichen.

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Foto: Mike Khalaf
Foto: Mike Khalaf

Schulkinder in der Primarschule Al-Rawda Al-Muhammadiya in Ramadi im westlichen Irak nehmen an einer Lektion über die Gefahren von Waffenkontamination teil. Viele Kinder kommen aus Familien, die durch den bewaffneten Konflikt von 2014 bis 2017 vertrieben wurden und leben noch immer in Gegenden, die durch explosive Kampfmittelrückstände verseucht sind.

Existenzsicherung und wirtschaftliche Sicherheit fördern

Neben der Nothilfe unterstützte das IKRK 2025 auch die Fähigkeiten der Menschen, ihre grundlegenden Bedürfnisse selbst zu decken und inmitten des Konflikts eine Existenzgrundlage zu erhalten.

In Ländern wie dem Sudan, dem Südsudan und Afghanistan umfassten die Tätigkeiten zur wirtschaftlichen Sicherheit Bargeldzuschüsse und Unterstützung der Existenzsicherung für Vertriebene, Rückkehrende und Aufnahmegemeinschaften. Diese Arbeit half den Familien, mit der anhaltenden Instabilität besser umzugehen und einen gewissen Grad an wirtschaftlicher Eigenständigkeit zurückzugewinnen.

Unsere Arbeit zur Unterstützung von Menschen, deren Existenzgrundlage durch bewaffneten Konflikt und andere Gewaltsituationen beeinträchtigt wurde

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Foto: Eric Micheline
Foto: Eric Micheline

Bewohnerinnen und Bewohner der äthiopischen Region Tigray erhalten Geflügel im Rahmen einer Initiative zur Förderung sichererer Landwirtschaft und Existenzgrundlagen in von Waffen kontaminierten Gegenden.

Die Zivilbevölkerung durch Einhaltung des humanitären Völkerrechts schützen

Während des gesamten Jahres 2025 förderte das IKRK die Einhaltung des humanitären Völkerrechts (HVR) – der rechtliche Rahmen, der Zivilpersonen, Gefangene, medizinische Dienste und humanitäre Mitarbeitende während eines bewaffneten Konfliktes schützt.

Durch vertraulichen Dialog, operative Einsätze und weltweite Advocacy-Arbeit – inklusive der Globalen Initiative, um dem politischen Engagement für das humanitäre Völkerrecht neuen Schwung zu verleihen – arbeitete das IKRK mit den Staaten und Konfliktparteien, um die rechtlichen Vorschriften, die das Leiden im Krieg begrenzen, zu stärken.

Unsere Arbeit zur Wahrung der Rechte der Menschen, die von Konflikten betroffen sind

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Foto: Zabiullah Shinwari
Foto: Zabiullah Shinwari

Bezirk Chawkay, Kunar, Afghanistan: Das IKRK unterstützte die Afghanische Rothalbmondgesellschaft bei ihrer humanitären Nothilfe nach dem tödlichen Erdbeben. Das IKRK half in mehreren Schlüsselbereichen, darunter der Reparatur der Wasserversorgung, der Bereitstellung von Unterkünften und Zelten sowie der Zurverfügungstellung von Generatoren mit unterschiedlicher Kapazität.

Als neutraler Vermittler auftreten, wenn wenig Vertrauen da ist

Neben den vorgenannten Tätigkeiten war das IKRK 2025 immer wieder als neutraler und unabhängiger Vermittler im Einsatz – eine Rolle, die häufig die eigentliche humanitäre Arbeit erst möglich macht.

In Israel und den besetzten Gebieten spielte das IKRK eine entscheidende Rolle in humanitären Einsätzen rund um die Geiseln und Gefangenen. Unter anderem agierte es als vertrauenswürdiger Vermittler bei unter äusserst heiklen Voraussetzungen durchgeführten Übergaben. In der Demokratischen Republik Kongo half die Organisation bei humanitären Operationen wie der Freilassung und dem Transport von Gefangenen sowie der sicheren Begleitung von Personen über die Fronten hinweg.

Im internationalen bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und vielen anderen Situationen war der anhaltende vertrauliche Dialog mit den Parteien unerlässlich, um humanitäre Arbeit zu ermöglichen und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu fördern. Diese Vermittlerrolle bleibt häufig unsichtbar, sie hat jedoch direkte positive Konsequenzen für die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen.

Unsere Arbeit als vertrauenswürdiger und neutraler Vermittler

DRC operation ICRC staff member in the foreground on a dirt road, with people walking towards an aeroplane in the background
Foto: IKRK
Foto: IKRK

Entwaffnete Angehörige der Regierungskräfte der Demokratischen Republik Kongo und ihre Familien kommen an, um von Goma weiter nach Kinshasa transportiert zu werden. Diese rund 2000 km lange Reise über die Fronten hinweg wurde durch das IKRK in seiner Rolle als neutraler Vermittler ermöglicht.

Präsent bleiben

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu, und das IKRK ist noch immer da, an der Seite der Menschen, die von bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen betroffen sind. Wir setzen unsere Arbeit fort, um Leben zu schützen, Leiden zu lindern und die Menschenwürde zu wahren. In Konflikten, die die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen, aber auch in solchen, die weitgehend unbemerkt bleiben: Unser Fokus liegt immer auf den Menschen, die unsere Hilfe benötigen, und auf den humanitären Grundsätzen, die unsere Arbeit anleiten.

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Goma, Demokratische Republik Kongo, Februar 2025.