Familien wieder in Kontakt bringen: Trennungen verhindern, Vermisste suchen, Angehörige wieder zusammenführen

Jahr für Jahr helfen wir mit, Tausende von Familienmitgliedern, die aufgrund von bewaffneten Konflikten, Situationen von Gewalt, Katastrophen oder Migration jeglichen Kontakt zueinander verloren haben oder verschwunden sind, zu erfassen, wieder miteinander in Kontakt zu bringen, ausfindig zu machen oder wieder zusammenzuführen.

In Democratic Republic of the Congo, an ICRC delegate helps reunite a two-year-old with his mother, after being separated for three weeks.
Hilfe bei der Aufrechterhaltung von Kontakt

Bei Notfällen rasch handeln, Familien unterstützen, damit der Kontakt zu ihren Angehörigen nicht abreisst, und dadurch das Verschwinden von Menschen verhindern

Erfassung von und Suche nach Menschen

Den Verbleib gefährdeter Menschen im Auge behalten und Vermisste suchen

Unterstützung von Familien

Familien unterstützen und ihnen beim Umgang mit der Abwesenheit von Angehörigen und den dadurch verursachten psychologischen, sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten helfen

Beeinflussung und Fürsprache

Mit Staaten und anderen Akteuren zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Menschen getrennt oder vermisst werden, bewährte Vorgehensweisen austauschen und sie beraten, damit sie ihre Pflichten erfüllen können

Der vernichtende Schmerz von Trennung und Abwesenheit

Im Chaos von bewaffneten Konflikten, Situationen von Gewalt, Katastrophen und Migration können Familien innerhalb von Minuten auseinandergerissen werden. Dies verursacht seelischen Schmerz und Verwundbarkeit und führt zuweilen zu einer jahrelangen Ungewissheit über das Schicksal von Kindern, Ehegatinnen und Ehegatten oder Eltern. Solche Trennungen verhindern, Vermisste ausfindig machen, Familien wieder in Kontakt bringen und sie bei der Suche ihrer Angehörigen unterstützen, all dies steht seit über 150 Jahren im Mittelpunkt der Arbeit des IKRK, das über seinen zentralen Such- und Schutzdienst zur Milderung des Leides der Menschen, die von Konflikten betroffen sind, beiträgt.

Zentraler Such- und Schutzdienst

Der zentrale Such- und Schutzdienst wurde 1870 gegründet und bildet heute das Herzstück unserer weltweiten Bemühungen für den Schutz und die Wiederherstellung der Familienbande, die Suche und Identifizierung vermisster Personen, den Schutz der Würde Verstorbener sowie die angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse von Familien vermisster Personen. Er ist in den Genfer Konventionen verankert und bildet eine dauerhafte Struktur innerhalb des IKRK, die Konfliktparteien unterstützt und Familientrennungen sowie das Verschwinden von Menschen verhindert, indem er als neutraler Vermittler Informationen sammelt und übermittelt.

 

Netzwerk für die Wiederherstellung der Familienbande: einzigartig, global und lokal.

Das Netzwerk für die Wiederherstellung der Familienbande besteht aus 192 nationalen Gesellschaften, IKRK-Delegationen und der IFRC. Wir arbeiten gemäss denselben humanitären Grundsätzen zusammen als einzigartiges weltweites Netzwerk mit zahlreichen lokalen Zweigstellen, um zu verhindern, dass Familien getrennt werden und die Bedürfnisse jener zu erfüllen, die aufgrund von humanitären Krisen wie Konflikt, Naturkatastrophen oder Migration getrennt oder vermisst werden.

Zentraler Such- und Schutzdienst für den internationalen bewaffneten Konflikt zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine

Im Rahmen seines Mandats unter den Genfer Abkommen hat der zentrale Such- und Schutzdienst ein Expertenteam in Genf gebildet, das Informationen über das Schicksal und den Verbleib von Militärangehörigen und Zivilpersonen sammelt, zentralisiert und weiterleitet, die ihrer Freiheit beraubt wurden, nachdem sie während des internationalen bewaffneten Konflikts zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine in die Hände des Feindes geraten sind.

 

ICRC Family Links Network

Statistik

2,2 Mio.

Telefonanrufe wurden im Jahr 2022 für Familien ermöglicht

4

Telefonanrufe für Familien jede Minute

12 500

Menschen wurden 2022 gefunden

4 700

Personen wurden 2022 wieder mit ihren Familien zusammengeführt

Jede Stunde

klären wir das Schicksal oder den Verbleib einer vermissten Person

Die komplexen Probleme von Familientrennungen und Vermissten

Das Problem der Trennung von Familien ist vielschichtig und komplex. Unsere Expertinnen und Experten arbeiten daran, Familien wieder in Kontakt zu bringen, führen Suchen durch und tragen Informationen zusammen, um das Schicksal und den Verbleib Vermisster und getrennter Familienmitglieder ausfindig zu machen und ihren Bedürfnissen auf verschiedenen Ebenen nachzukommen.

Wiederherstellung der Familienbande in Notsituationen

Gemeinsam mit dem Netzwerk für die Wiederherstellung der Familienbande des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds setzt das IKRK verschiedene Instrumente ein, um die Kommunikation wiederherzustellen oder den Kontakt zwischen Familienmitgliedern aufrechtzuerhalten: kostenlose Telefon- oder Videoanrufe, eine rasche und direkte Lösung, und Rotkreuznachrichten (kurze Briefe), die es Familien ermöglichen, Nachrichten auszutauschen, wenn Anrufe nicht möglich sind, und die durch Bilder oder offizielle Dokumente ergänzt werden können. Salamats sind kurze Nachrichten, die persönlich oder telefonisch mündlich überbracht werden. In Notsituationen können Familien kurze vorgedruckte Nachrichten verwenden, die leicht ergänzt werden können, z.B. Bitte schickt mir Nachrichten oder Bin in Sicherheit und mir geht es gut / Bin am Leben Diese Nachrichten können auf der Website Family Links gepostet oder veröffentlicht oder in lokalen oder nationalen Medien ausgestrahlt werden, damit sie die Angehörigen erreichen.

Gefährdete Personen erfassen

Eine möglichst frühe Erfassung von gefährdeten Personenkategorien ist entscheidend, um das Verschwinden von Menschen zu verhindern. Bei internationalen bewaffneten Konflikten müssen Staaten nationale Auskunftsbüros einrichten, um Informationen zu geschützten Personen in den Händen des Feindes zusammenzutragen, darunter Gefangene, zivile Internierte und Verstorbene. Diese müssen sie über den zentralen Such- und Schutzdienst an die andere Seite übermitteln. Bei Besuchen von Gefangenen gewährleistet das IKRK, dass ihre Familien informiert werden und erstellt Aufzeichnungen zu ihrem Schicksal und Verbleib. Der zentrale Such- und Schutzdienst erstellt und aktualisiert zudem Verzeichnisse mit besonders gefährdeten Personenkategorien, wie unbegleitete Minderjährige.

Suchmethoden

Die Suche nach Vermissten ist komplex und erfordert an jede einzelne Situation angepasste Suchmethoden. Feldarbeit zu einzelnen Fällen, Datenanalysen, humanitärer Dialog mit Behörden und Konfliktparteien, Zugang zu schwer erreichbaren Gebieten, forensische Wissenschaft, darunter Arbeiten zur Identifizierung Verstorbener, und neue Technologien sind einige Beispiele, wie wir Informationen zusammentragen, konsolidieren und kombinieren, um Antworten zum Schicksal und Verbleib Vermisster für ihre Familien zu finden. Ebenfalls zur Sucharbeit gehört die Aufbewahrung von Informationen, bis weitere Hinweise eine definitive Antwort ermöglichen.

 

Kontakt mit Behörden im Namen von Familien

Staatliche Behörden tragen die Hauptverantwortung dafür, das Verschwinden von Personen zu verhindern und im Ernstfall zu handeln sowie den Bedürfnissen von Familien nachzukommen. Das IKRK spielt jedoch eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, auf nationaler und multilateraler Ebene auf Probleme hinzuweisen, in spezifischen Fällen eine bilaterale Vertretung zu stellen, um Informationen über das Schicksal und den Verbleib von Vermissten zu erhalten, die Behörden zu Nachforschungen aufzufordern, einen Austausch zwischen Informationssystemen anzuregen und Rückführungen über Frontlinien hinweg zu organisieren. Zudem können wir Beratung und technische Anleitung bereitstellen und die Kapazitäten der nationalen und lokalen Systeme aufbauen, damit Suchen durchgeführt und die Bedürfnisse von Familien erfüllt werden können.

Bereitstellung von Online-Tools, um Betroffenen zu helfen

Wir erstellen Online-Tools, um Familien bei der Suche ihrer Angehörigen zu unterstützen (z.B. Trace the Face) und für Menschen auf der Flucht, die im Zusammenhang mit Konflikten, Migration oder humanitären Krisen Gefahr laufen zu verschwinden (z.B. RedSafe, eine App, die Zugang zu gesicherten Informationen und Dienstleistungen des IKRK und unserer Vertrauenspartner bietet).

Entwicklung neuer Technologien

Um unsere Dienstleistungen und die Wirkung unserer Arbeit zu verbessern, entwickeln wir neue Technologien, mit denen unsere Arbeit zur Wiederherstellung der Familienbande erleichtert wird. So werden unsere Teams und Partner auf der ganzen Welt effizienter, sei dies durch den Einsatz künstlicher Intelligenz und moderner Algorithmen zur Unterstützung unserer Suchen oder durch die Entwicklung neuer Arten, um Daten über Plattformen und geopolitische Grenzen hinweg miteinander zu verbinden und zu analysieren. In den 150 Jahren ihres Bestehens hat sich unsere Dienstleistung stets weiterentwickelt.

 

Unklarer Verlust, verschiedene Bedürfnisse

Das Schicksal einer geliebten Person nicht zu kennen, kann Familien in einen Zustand permanenter Ungewissheit versetzen. Ein solcher Verlust hat eine ständige Suche nach Antworten zur Folge, die den Trauerprozess komplizierter und länger macht und häufig in einer ungelösten Trauer endet. In diesem schmerzhaften psychologischen Prozess müssen Familien lernen, mit einer neuen Familiendynamik umzugehen und die Kraft finden, mit dringenden humanitären Bedürfnissen, darunter rechtlichen, sozialen, administrativen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schwierigkeiten, umzugehen.

Begleitung von Familien

Wir unterstützen die Familien von Vermissten, die oft die Hauptakteure eines Suchprozesses sind, und begleiten sie dabei, langfristig mit der Ungewissheit leben zu lernen, wenn sie keine Informationen über ihre Angehörigen erhalten. Der sehr geschätzte und wirkungsvolle Ansatz des IKRK besteht darin, sich Zeit zu nehmen, um mit den Familien zu sprechen und ihre Schwierigkeiten und Bedürfnisse anzuhören. Wir sind auch bestrebt, die Familien zu ermächtigen, sich für die Vermissten einzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Datenschutz

Eine wirkungsvolle und effiziente Wiederherstellung der Familienbande (RFL) und von Kontakten erfordert die Verarbeitung einer grossen Menge an Personendaten. Der RFL-Verhaltenskodex zum Datenschutz wurde 2015 angenommen, damit die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung den Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten (insbesondere den Schutz der Personendaten) von Menschen sicherstellen kann, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Der Kodex legt Minimalprinzipien, Verpflichtungen und Verfahren fest, an die das Personal des IKRK, der nationalen Gesellschaften und der IFRC gebunden sind, wenn sie im Rahmen ihrer RFL-Aktivitäten Personendaten bearbeiten.

Beratungsstelle des Such- und Schutzdienstes: Zentrum für vermisste Personen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds

Das Zentrum, das gemeinsam mit der Kenianischen Rotkreuzgesellschaft, dem Australischen und dem Britischen Roten Kreuz gegründet wurde, unterstützt die Bemühungen der Behörden, der Bewegung und von Fachpersonen, einschliesslich der Familien selbst, zugunsten von getrennten, vermissten und verstorbenen Personen. Es tut dies durch Fürsprache, Recherche, technische Unterstützung, den Aufbau von Kapazitäten und Wissen sowie Austausch.

 

Online-Ressourcen für Fachpersonen

Die Website Missing Persons Global Response ist eine Plattform, die den Wissensaustausch, Lernprozesse und die Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen erleichtert, die sich weltweit mit dem Problem der Vermissten befassen. Sie umfasst Inhalte und Ressourcen der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, von Universitäten, Forschungsinstituten, Nichtregierungsorganisationen, UN-Agenturen, Familienverbänden, Regierungen, Spendern und anderen Initiativen.

Staatliche Verantwortung

Vermisste und ihre Familien sind in internationalen und internen bewaffneten Konflikten durch das humanitäre Völkerrecht und sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten durch das internationale Recht der Menschenrechte geschützt. Staaten und Parteien bewaffneter Konflikte haben sich an die Verpflichtungen aus diesen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu halten, um das Verschwinden von Menschen zu verhindern, jene zu erfassen, die dennoch verschwinden, und die Bedürfnisse ihrer Familien zu erfüllen. Konkrete Massnahmen umfassen die Verhinderung von Familientrennungen, die Bereitstellung von Informationen für Familien, die Sicherstellung eines angemessenen Umgangs mit Verstorbenen, die Stärkung der gerichtsmedizinischen Systeme und die Einrichtung entsprechender Mechanismen und Strukturen, wie nationale Auskunftsbüros bei internationalen bewaffneten Konflikten, in Übereinstimmung mit den bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen.

Archive

Unsere Archive, die bis zu unserem frühesten, 1870 gegründeten Such- und Schutzdienst zurückreichen, stellen einen sicheren und zuverlässigen Ort dar, wo Informationen aufbewahrt und geschützt werden und sichergestellt wird, dass vermisste Menschen auch lange nach ihrem Verschwinden ihre Identität bewahren. Sie sind eine weitere Quelle mit wichtigen Belegen und Informationen für künftige Generationen, welche die Suche Jahrzehnte später weiterführen.

 

Geschichten aus dem Feld

Ich flüchtete mitten in der Nacht, ohne mich von meiner Frau und meinen Kindern verabschieden zu können. Niemand wusste, ob wir uns jemals wiedersehen würden. Übrig blieb uns nur die Hoffnung.

Nestory (Tansania) erklärt, wie er von seiner Frau und ihren beiden kleinen Söhnen getrennt wurde, als der Konflikt sie dazu zwang, ihr Zuhause in Burundi mitten in der Nacht zu verlassen.

Ich muss die Wahrheit erfahren. Selbst wenn sie zu hart ist für mich, würde sie mein Leiden beenden.

Nino Sulaberidse (Georgien) dessen Sohn seit 1992 vermisst wird.

Ich hätte nie gedacht, dass dieser Tag kommen würde. Wir haben drei Tage lang nicht geschlafen und auf die Ankunft meiner Schwester gewartet. Ich war elf, als sie Südafrika verliess. Wenn ich heute sterben müsste, könnte ich in Frieden ruhen, denn meine Schwester ist nach Hause zurückgekehrt.

Bapsy (Südafrika) die 1962 von ihrer Schwester getrennt wurde.

Aus der International Review of the Red Cross