Jemen: Wahlloser Angriff auf den Flughafen versetzt zahlreiche Familien in Trauer

Jemen: Wahlloser Angriff auf den Flughafen versetzt zahlreiche Familien in Trauer

Sanaa, JEMEN (IKRK) – Eine Stellungnahme von Dominik Stillhart, IKRK-Direktor Operations, nach seiner Reise in den Jemen. Der Grund für den Besuch war der Tod von drei IKRK-Mitarbeitenden bei einer Explosion am Flughafen von Aden:
News release 14. Januar 2021 Jemen

Mein Besuch im Jemen ist erfüllt von grosser Trauer nach dem Tod unserer drei Kollegen. Es ist erschütternd, dass die Menschen im Jemen in den letzten fünf Jahren so viel Gewalt erleiden mussten und die anhaltenden Kämpfe täglich Menschenleben fordern und Hoffnungslosigkeit verbreiten. All das zu einer Zeit, in der die Menschen neben den Folgen des langwierigen Konflikts zudem mit der Covid-19-Pandemie umgehen müssen.

Der wahllose Angriff auf den Flughafen von Aden am 30. Dezember ist eine deutliche Erinnerung, welches Leid die Zivilbevölkerung im Rahmen des Konflikts und der Gewalt im Jemen erdulden muss. Nach neuesten offiziellen Zahlen starben bei dem Angriff 28 Personen und es wurden 113 verwundet, darunter Reisende, Flughafenangestellte sowie Familien, die Angehörige verabschiedeten oder begrüssten. Für alle hat sich das Leben im Bruchteil einer Sekunde völlig verändert.

Bei dem Angriff verloren auch drei unserer Kollegen ihr Leben – Saidi Kayiranga, Hamid Al-Qadami und Ahmed Wazir waren drei engagierte IKRK-Mitarbeiter, die sich für Menschen in Not eingesetzt haben. Dieser Besuch war alles andere als leicht, aber ich bin froh, dass ich die trauernden Familienangehörigen treffen, ihnen meine Unterstützung zusagen und im Namen des gesamten IKRK unser aufrichtiges Beileid aussprechen konnte. Wir denken auch an unsere verletzten Kolleginnen und Kollegen sowie an alle, die Augenzeugen des Angriffs geworden sind und diesen überlebt haben. Sie alle kämpfen mit den psychologischen und körperlichen Folgen dieses Attentats.

Es ist nicht der erste Angriff im Jemen, der die Zivilbevölkerung trifft, die nun grosse Verluste zu betrauern hat. Wir haben es bereits oft gesagt und werden es auch weiterhin fordern: Die Gewalt im Jemen darf sich nicht gegen die Zivilbevölkerung richten. Diese Menschen müssen geschützt werden und es muss sichergestellt werden, dass humanitäre Mitarbeitende ihre Aufgaben durchführen können.

Reaktion des IKRK auf die Erklärung der USA im Jemen

Wir sind zunehmend besorgt über die Situation im Land und setzen uns umfassend dafür ein, Leid zu lindern und Nothilfe bereitzustellen. Neben der anhaltenden und tödlichen Gewalt in verschiedenen Teilen des Landes sind zahlreiche Gemeinden von Covid-19 betroffen und Tausende Menschen verlieren infolge saisonaler Infektionskrankheiten jedes Jahr ihr Leben. Darüber hinaus sorgt die Inflation dafür, dass die Preise für Nahrungsmittel, Medikamente und andere grundlegenden Produkte in die Höhe schnellen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich das IKRK auch besorgt über die möglichen negativen Auswirkungen der Erklärung der USA, die Huthi-Rebellen als ausländische Terrororganisation einzustufen. Die Folgen für die humanitäre Lage im Jemen sowie die Bereitstellung unparteilicher humanitärer Hilfe für die bedürftige Bevölkerung sind noch nicht absehbar.

Das IKRK ist insbesondere besorgt über eine mögliche abschreckende Wirkung der Erklärung auf humanitäre Einsätze, die in der Folge behindert oder verzögert werden. Grössere operative Risiken und eine mögliche Zurückhaltung seitens des Banken- und Privatsektors als Reaktion auf die Erklärung führen gegebenenfalls dazu, dass die humanitären Einsätze im Jemen eingeschränkt werden.

Staaten, die sich entschliessen, derartige Massnahmen zu verhängen, müssen die humanitären Folgen berücksichtigen und entsprechende Schritte wie beispielsweise die Gestaltung humanitärer Räume ergreifen, um negative Folgen für die betroffene Bevölkerung und die unparteilichen humanitären Einsätze zu reduzieren.

Das Jahr 2021 ist kaum zwei Wochen alt. Aber für den Jemen beginnt es genauso, wie das alte geendet ist – mit Gewalt, Angst und Verlust. Die Menschen im Jemen benötigen mehr als je zuvor Unterstützung und das IKRK wird als unabhängige, unparteiliche und neutrale humanitäre Organisation alles in seiner Macht stehende tun, den Menschen zu helfen.

Weitere Auskünfte:

Ruth Hetherington, IKRK Genf, Tel.: +41 79 447 37 26, rhetherington@icrc.org

Aktuelles Videomaterial des IKRK in Sendequalität finden Sie unter
www.icrcvideonewsroom.org