Diese Waffen töten nicht nur, sondern sie hinterlassen auch Spuren, die Jahrzehnte bleiben: sie verwehren den Menschen den Zugang zu Ackerland, Schulen und Spitälern und versetzen ganze Gemeinschaften in Angst.
Im Norden des Irak hütete Sirwan Nabi (16) in der Nähe seines Elternhauses Schafe, als ihm ein kleiner, glitzernder Gegenstand auf dem Boden auffiel. Da er ihn für harmlos hielt, hob er ihn auf. Es war eine Landmine. Die Explosion kostete ihn seine rechte Hand und hinterliess Metallsplitter in seinen Beinen.
«Dieses Ereignis hat mein Leben zu 90 % verändert», sagt Sirwan. «Ich kann viele Dinge nicht mehr so tun wie früher. Schreiben ist schwierig. Essen ist schwierig. Aber ich bin froh, am Leben zu sein.»
Sirwan ist mittlerweile 18 und entschlossen, seine Ausbildung fortzusetzen, obwohl er in der Schule Jahre verpasst hat. Seine Geschichte zeigt sehr anschaulich, dass Landminen weiterhin Kindern Schaden zufügen, Leben zerstören und ganzen Gemeinschaften die Zukunft rauben.
Von Südosteuropa bis Südostasien sind die tödlichen Hinterlassenschaften des Krieges nach wie vor eine täglich drohende Gefahr. Auf dem Balkan werden noch immer Minen aus den 1990er Jahren geräumt. In Kambodscha reicht die Kontamination bis in die 1970er Jahre zurück. In Laos liegen noch immer lebensgefährliche Blindgänger aus Konflikten im Boden, die über ein halbes Jahrhundert zurückliegen.
Trotz des angeblichen militärischen Nutzens von Landminen zeigt die Geschichte, dass sie in der modernen Kriegführung wirkungslos sind. Während des Golfkriegs 1991 verlegte der Irak fast 9 Millionen Landminen in der Annahme, dass diese die vorrückenden Truppen tagelang aufhalten würden. In Wirklichkeit wurden diese Minensperren mit moderner Ausrüstung innerhalb weniger Stunden durchbrochen, während das tödliche Erbe für die Zivilbevölkerung seit Jahrzehnten fortbesteht.
«Es gibt keine ‚sicheren‘ Antipersonenminen», sagte Fahad Ahmed, Rechtsberater des IKRK. «Diese Waffen werden durch das Opfer ausgelöst, richten unterschiedslos Schaden an und bleiben über Generationen hinweg lebensgefährlich. Angesichts des immensen menschlichen Leids, das sie verursachen, ist die Frage berechtigt, ob Landminen überhaupt irgendeine operative Relevanz besitzen. Diese Waffen gehören der Vergangenheit an und das muss so bleiben.»
Das Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen (APMBC) ist weltweit ein Erfolg. Seit seiner Annahme hat es die Zahl der Opfer drastisch gesenkt, zur Vernichtung von über 55 Millionen gelagerten Minen geführt und eine nahezu weltweite Ablehnung dieser Waffen bewirkt. Heute sind 161 Länder Vertragsparteien des Übereinkommens. Das beweist, dass Fortschritt möglich ist.
Doch dieser Fortschritt ist fragil. Jeder Schritt zurück birgt die Gefahr, jahrzehntelange humanitäre Errungenschaften zunichte zu machen und künftige Generationen dazu zu verdammen, mit der Angst vor diesen unterschiedslos tötenden Waffen zu leben.
Die Weltgemeinschaft muss jetzt handeln. Staaten, die dem Vertrag beigetreten sind, müssen ihren Verpflichtungen in vollem Umfang nachkommen. Diejenigen, die noch nicht beigetreten sind, müssen dies unverzüglich tun. Der Schutz der Zivilbevölkerung heute – und damit die Sicherheit künftiger Generationen – hängt von der Aufrechterhaltung und Stärkung des weltweiten Verbots ab.
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